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Irina Irina ist weiblich
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mir zeigt es wie wichtig es ist zu sich selbst zu stehen, Charakterstärke zu haben und das nötige Selbstbewustsein, um zu zeigen worauf es im Leben wirklich ankommt, nämlich Verantwortung auch für Andere, besonders Kinder, zu übernehmen.

Kann nur sagen Hut ab vor den Beiden Daumen


__________________
Liebe Grüße
Irina


Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus

22.08.2008 12:25 Irina ist offline Beiträge von Irina suchen Nehmen Sie Irina in Ihre Freundesliste auf AIM-Name von Irina: locotanz1
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yasmin
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Das war wirklich gut gemacht,ich wünschte es gebe mehr solche Beiträge.

yasmin
22.08.2008 13:57
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yasmin
unregistriert
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Ich meinte den Film!Aber auch die andere Geschichten fand ich gut,so ist das,das leben schreibt seine eigene Geschichten.
yasmin
22.08.2008 14:07
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peutetre peutetre ist weiblich
ist auch nur ein Mensch ;o)


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Zwölf Jahre ist es her, dass Renate Huber ihren Beruf im Amt für Landwirtschaft in Traunstein an den Nagel gehängt hat, um sich in der Tagespflege um das Wohl von Kindern kümmern zu können. Momentan hat sie drei Vollzeitpflege- und fünf Tagespflegekinder zu versorgen und engagiert sich nebenbei als Familienbeauftragte in Seeon, Seebruck und Truchtlaching, ist Initiatorin eines kommunalen Familientisches und hat außerdem ein Netzwerk mit Ansprechpartnerinnen für die Tagespflege aufgebaut und im Modellprojekt zur Förderung der qualifizierten Tagespflege mitgearbeitet. Für diesen Einsatz wurde ihr nun der Bürgerpreis "Kinder fördern - in die Zukunft investieren" verliehen.


Biegt man auf das Grundstück von Renate Huber und ihrer Familie in Truchtlaching ein, muss man erst einmal aufpassen, dass man keines der vielen Bobbycars oder Dreiräder über den Haufen fährt. Im Garten und im Haus laufen fröhlich-schreiende Kinder herum, und mittendrin trifft man auch Renate Huber, die gerade einem ihrer Schützlinge die Windeln wechselt. Vom Betreten des Grundstücks an spürt man die Vertrautheit und den Zusammenhalt einer großen Familie.

Dabei sind nur vier der acht Kinder untereinander verwandt und Renate Hubers einziger leiblicher Sohn (23) durch sein Studium in München so gut wie aus dem Haus. Eigentlich hat Renate Huber Agraringenieurswesen studiert und war 15 Jahre in gehobener Position beim Amt für Landwirtschaft und Forsten in Traunstein beschäftigt. Doch der Wunsch, "ein Haus voller Kinder" zu haben, war stärker, und so ließ sie sich nach Absprache mit ihrem Mann und ihrem Sohn - "am wichtigsten ist, dass die eigene Familie dahinter steht" - im November 1995 beurlauben, machte mehrere Wochenenden eine Ausbildung und wurde so zu einer der aktivsten Tagesmütter der Region. Das erste Pflegekind der Familie Huber war ein Junge, der im Alter von vier Monaten zu ihnen kam. Ein paar Monate später gesellte sich ein fast gleichaltriges Mädchen dazu: beide sind nun zwölf Jahre alt und noch immer bei Renate Huber.

Damals war die Kinderbetreuung zu Hause noch etwas besonderes, doch das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Heutzutage gibt es in fast jeder Gemeinde Tagesmütter, die voll ausgelastet sind. Bei Renate Huber leben momentan drei Vollzeitpflege- und fünf Tagespflegekinder. Die Tagespflegekinder werden bis zu acht Stunden am Tag betreut, gehen aber zum Schlafen nach Hause. Unter den Vollzeitpflegekindern ist ein dreijähriges Mädchen, das schwer behindert ist und viel Zeit in Anspruch nimmt, die Renate Huber und ihr Ehemann, der neben seinem eigentlichen Beruf auch mit Leib und Seele Tagesvater ist, gerne investieren. "Soweit sie selbst mitmacht, wollen wir alles aus ihr heraus holen", so Huber, deshalb bekommt die Kleine dreimal in der Woche Frühförderung, einmal fahren sie mit ihr zum Schwimmtraining ins Bewegungsbad und versuchen, sie unter den vielen anderen Kindern so normal wie möglich aufwachsen zu lassen.

Neben der eigentlichen Vollzeitbeschäftigung als Pflegemutter, engagiert sich Renate Huber auch in der Familienarbeit der Gemeinde und des Landkreises. Im Jahr 2002 hat sie beim Modellprojekt zur Förderung der qualifizierten Tagespflege mitgewirkt. Renate Huber stellte sich dabei als Tagesmutter zur Verfügung und wirkt e für drei Jahre mit. Schwerpunkt waren ein zuverlässiges Betreuungsangebot, qualifizierte Tagespflegepersonen sowie deren Leistungsverbesserung. Aus diesem Modellprojekt entstand die Tagespflege wie sie heute ist.

Im gleichen Jahr hat Renate Huber mit vier Kolleginnen ein Netzwerk von Tagesmüttern gegründet. In fast jeder Gemeinde gibt es nun eine Ansprechpartnerin für Tagespflege, "denn man muss direkt vor Ort Leute haben, die sich auskennen. Die Rahmenbedingungen müssen natürlich von oben kommen." Deshalb wird alles mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie in Traunstein abgesprochen.

Renate Huber ist seit sechs Jahren Familienbeauftragte in Seeon-Seebruck-Truchtlaching und hat dort einiges auf die Beine gestellt: von der Spielgruppe, in die Eltern einmal die Woche für einen Vormittag ihre Kinder bringen können über das beliebte Kinderkino bis zu Babysitterkursen für Jugendliche.

Im April diesen Jahres fand der erste kommunale Familientisch statt, den Renate Huber mitinitiiert hat. Eingeladen wurden alle aus dem Landkreis, die auf die Lebenssituation von Familien Einfluss haben. Dabei konnte die Truchtlachingerin drei Arbeitskreise - Häusliche Pflege und Behinderte, Arbeitsstellen für Jugendliche sowie Familie, Beruf und Kinder - bilden. Ziel ist der gegenseitige Informationsaustausch und die Vernetzung untereinander.

Neben dem Amt für Kinder, Jugend und Familie sind die Gemeinden wichtige Ansprechpartner. Über ihre Gemeinde weiß Renate Huber nur Positives zu berichten. "Man ist dort immer auf dem aktuellsten Stand und aufgeschlossen." Auch die Pfarrei hilft tatkräftig mit und hat die Trägerschaft für die Tagesbetreuung übernommen.

Die Tagespflege von Kindern außerhalb der klassischen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen hat sich etabliert, vor allem, so Renate Huber, weil sie sehr kindgerecht ist, die Kleinen in intakten Familien aufwachsen und früh wichtige soziale Kompetenzen erwerben. In Renate Hubers Familie beispielsweise müssen die größeren Kinder auf die kleineren aufpassen und ab und zu im Haushalt helfen.

Für Renate Huber ist ihr Beruf als Tagesmutter mit nichts zu vergleichen. Es sei zwar viel Idealismus dabei, denn ohne den könne man die Aufgaben gar nicht bewältigen, "aber wenn man den Kindern Aufmerksamkeit schenkt und ihnen zeigt, dass man Interesse an ihnen hat, geben sie einem einfach so viel zurück." Und dass sie ihrer Familie - Renate Huber spricht nie von ihren Pflegekindern - ihre ganze Aufmerksamkeit zukommen lässt, das merkt man in jedem ihrer Worte und Taten.




http://www.chiemgau-online.de/lokalnachr...xt.php?id=21576

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Liebe Grüße
Silvia



Mit den Wölfen heulen gilt denen als Ausrede, die mit den Schafen blöken.
Hans Reimann

24.08.2008 23:24 peutetre ist offline E-Mail an peutetre senden Homepage von peutetre Beiträge von peutetre suchen Nehmen Sie peutetre in Ihre Freundesliste auf

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Wie Carina zu und kam - die Geschichte einer Adoption Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen





Wie Carina zu uns kam



Die dramatische Geschichte einer Adoption, aufgeschrieben für unsere Tochter.



Manchmal sind es Zufälle, die unser Leben bestimmen, zufällige Ereignisse, die einen Menschen dazu bewegen, sich aus vielen Möglichkeiten für nur eine zu entscheiden. Dies ist die Geschichte eines solchen Zufalls. Er ereignete sich an einem Tag im August 1988 und hat das Leben von Susanne, Rainer und Carina Hansen grundlegend verändert.

Aber der Reihe nach. Ursprünglich begann die Geschichte schon früher, nämlich am 22. September 1984. Damals arbeitete Rainer als Kinderchirurg in einer Universitätsklinik und bekam eine neue kleine Patientin. Sie hieß Carina Schmidt und war erst einen Tag alt, als Rainer sie zum ersten Mal operierte. Was genau er damals operiert hat, würde den Rahmen dieser Geschichte sprengen. Es war aber etwas sehr Ernstes, weil es nicht bei dieser ersten Operation blieb, sondern noch viele weitere folgten.

Die kleine Carina musste lange in der Klinik bleiben, so lange, dass es ihrer Mutter schwer fiel, sich richtig um sie zu kümmern. Rainer aber, der Carina jeden Tag besuchte, kümmerte sich um sie, weil er sie inzwischen lieb gewonnen hatte. Wenn er abends nach Hause kam, erzählte er Susanne von Carina. Wie sie ihn mit ihren großen braunen Augen anschaute, wie sie lächelte und wie sie ihre ersten Babylaute brabbelte. Vor allem erzählte er davon, wie tapfer Carina war. Denn sie weinte nur ganz selten, obwohl sie doch so oft untersucht und gepiekst wurde.

Susanne besuchte Carina im Krankenhaus und hatte sie auf den ersten Blick lieb. Als Rainer ihr dann nach fast zwei Jahren berichtete, dass Carina nun gesund sei und vermutlich, weil sich ihre Mutter immer noch nicht um sie kümmern konnte, aus der Klinik in ein Kinderheim entlassen werden müsste, war Susanne genauso bedrückt wie Rainer.

Die beiden waren Mitte dreißig und hatten keine eigenen Kinder. Deshalb fragten sie beim Jugendamt an, ob sie Carina zu sich nehmen könnten. Sie besaßen ein Haus mit einem schönen Garten, Rainer verdiente als Oberarzt genug Geld, und Susanne hatte genügend Zeit, sich um ein kleines Kind zu kümmern.
„Wenn Carinas Mutter zustimmt, können Sie Carinas Pflegeeltern werden“, sagte Frau Raabe vom Jugendamt, worauf Susanne und Rainer sofort einen Antrag stellten, um Carina so schnell wie möglich zu sich nach Hause zu holen.

Carina selbst war damals erst zwei; sie hat von den ganzen Aufregungen um ihre kleine Person kaum etwas mitbekommen, weil sie damit beschäftigt war, ihre ersten Worte zu üben. Eines davon war ‚Hunger!’ Oder etwas, das so ähnlich klang. Aber für Rainer – und besonders für Susanne, die nun urplötzlich und ohne neun Monate Bedenkzeit Mutter geworden war, - war es eine aufregende Zeit. Traurig waren übrigens nur die Schwestern in der Kinderklinik, die Carina am liebsten behalten hätten.

Mit dem oben erwähnten Zufall hat dieser Teil der Geschichte noch nichts zu tun. Auch im nächsten Teil, der zwei Jahre später spielt, als Carina schon vier ist, kommt der Zufall noch nicht vor. Aber er bahnt sich schon an. Denn eines Morgens – es war genau zwei Jahre nach der ‚In-Pflegenahme’ – wie es im trockenen Amtsdeutsch heißt - fiel Susanne plötzlich auf, dass sich Carinas Mutter schon lange nicht mehr gemeldet hatte.
„Seltsam ...“, sagte sie noch beim Frühstück zu Rainer. „Sie hat uns doch sonst öfter mal angerufen und sich erkundigt, wie es Carina geht.“
„Hat Frau Raabe nicht neulich noch gesagt, wir könnten froh sein, wenn sie sich nicht meldet?“, antwortete Rainer. „Damit wachsen unsere Chancen, dass wir Carina eines Tages adoptieren können.“
Susanne nickte. Sie war beruhigt - bis sie an jenem Morgen die Post aus dem Briefkasten holte. Denn darin fand sie einen Brief des Jugendamtes, der sie in Angst und Schrecken versetzte.
Frau Schmidt, Carinas Mutter, habe darum gebeten, Carina in einer anderen Pflegefamilie unterzubringen. Die Begründung war ein schwerer Vorwurf: Susanne und Rainer hätten den Kontakt des Kindes zu seiner leiblichen Mutter nicht ausreichend unterstützt ...

Niemand weiß genau, wer oder was Frau Schmidt damals bewogen hatte, Susanne und Rainer plötzlich als Pflegeeltern abzulehnen, obwohl sie doch zwei Jahre lang mit ihnen einverstanden gewesen war. Aber gewiss ist, dass sie sich damals noch keine Gedanken darüber gemacht hat, was ihr plötzlicher Meinungsumschwung für die beiden bedeuten könnte.
Sie konnten Carina nicht nur niemals adoptieren, nein, sie mussten sogar stündlich damit rechnen, eine Aufforderung vom Jugendamt zu bekommen, dass sie Carina in ein Kinderheim zu bringen hätten, wo sie dann von neuen Pflegeeltern abgeholt würde. Fremde Menschen, eine unbekannte Umgebung, fort von Susanne und Rainer – konnte das gesund sein für ein so kleines Kind ..?

„Niemals!“, erklärte Susanne entschlossen. „Wir geben Carina nie wieder her.“
„Niemals!“, sagte auch Rainer, der sonst immer eher sanft ist. „Wir werden Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Aber herausgeben werden wir Carina nicht.“

Carina selbst sagte zu all dem übrigens nichts, weil ihr niemand davon erzählt hat. Sie saß im Kinderzimmer und legte in aller Seelenruhe eines ihrer ersten Puzzles. Hätte sie auch nur geahnt, welch dramatischer Schicksalswandel sich gerade über ihr zusammenbraute, hätte sie bestimmt nicht so entspannt gelächelt. Denn was Susanne und Rainer bei aller Entschlossenheit nicht bedacht hatten und was sie sich kurz darauf von einem Anwalt sagen lassen mussten, war, dass sie Carina zwar so lieb haben konnten, wie sie wollten, jedoch als Pflegeeltern nicht die geringsten Rechte besaßen.
„Wo das Kind verbleibt, bestimmt allein das Jugendamt“, sagte Frau Raabe, die sich plötzlich als falsche Schlange entpuppte, was aber nicht ganz so überraschend war, weil sowohl Susanne als auch Rainer von jeher eine etwas zwiegespaltene Meinung zu der Dame gehabt hatten. „Es lag ja bei Ihnen, liebe Familie Hansen, den Kontakt zu Frau Schmidt zu suchen“, fügte Frau Raabe plötzlich scheinheilig hinzu. „Hätten Sie’s getan, wäre es sicher nicht so weit gekommen.“

Sich hierüber noch länger zu ärgern, ist jedoch müßig. Denn Susanne und Rainer wälzten inzwischen abenteuerliche Pläne, um Carina behalten zu können.
„Wir entführen Carina ins Ausland. Wir wandern aus!“, beschlossen sie.
Wer von beiden hatte zuerst diese wahnwitzige Idee ..? Sie mussten dafür ihr Haus verkaufen, Rainer seinen Job aufgeben. Sie mussten alle Zelte abbrechen, ihre Familien und alle Freunde verlassen. Trotzdem beschlossen Susanne und Rainer, mit Carina nach Mauritius zu fliehen. Mauritius deshalb, weil Rainers Kollege Olaf dort ein Haus besaß. Und Olaf besaß auch einen Pilotenschein und konnte sie im Notfall heimlich außer Landes fliegen. Zunächst nach London, und von dort aus weiter, in ein unbekanntes Land mit zwar freundlichen, aber unbekannten Menschen, in dem alle drei einen neuen Anfang wagen mussten. Ein waghalsiger Schritt, aber irgendwie schien er der einzige Ausweg zu sein. Denn sich von Carina zu trennen, war für Susanne und Rainer unvorstellbar.

Während sie in nervenzerreißender Anspannung auf den Tag X warteten, an dem Post oder ein Anruf vom Jugendamt kommen würde, boten sie ihr Haus zum Verkauf an. Jedes Wochenende führten sie Interessenten und Makler durch die Räume, und immer wenn ihre Angst Überhand nehmen wollte, packte Susanne wieder eine neue Umzugskiste voll. Einfach, um irgendetwas zu tun, das nach Bewegung aussah.
Aber gottlob drehen sich die Mühlen in den deutschen Amtstuben langsam. Denn das Haus war noch nicht verkauft, als eines Morgens das Telefon klingelte und Frau Raabe vom Jugendamt anrief.

„Ich muss Ihnen etwas mitteilen, Frau Hansen“, sagte sie zu Susanne, die Frau Raabes Stimme in Angst und Schrecken versetzte, ganz besonders, als diese hinzufügte: „Aber setzen Sie sich erst mal hin ...“

Fortsetzung folgt


Quelle: http://www.rp-online.de/hps/client/opini...chwister/kinder

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Silvia



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Hans Reimann

26.08.2008 10:28 peutetre ist offline E-Mail an peutetre senden Homepage von peutetre Beiträge von peutetre suchen Nehmen Sie peutetre in Ihre Freundesliste auf

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„Ich muss Ihnen etwas mitteilen, Frau Hansen“, sagte Frau Raabe vom Jugendamt am Telefon zu Susanne. „Aber setzen Sie sich erst einmal hin ...“

Wie mag sich Susanne wohl in dieser Sekunde gefühlt haben? Sie hatte auf jeden Fall einen Schock, was man an ihrer seltsamen Reaktion erkennen kann. Auf das, was Frau Raabe ihr mitteilte, sagte sie nämlich nichts als „Ja.“ Ganz tonlos und dreimal hintereinander. Ja. Ja. Ja. Und als Frau Raabe mitfühlend fragte, ob sie später noch einmal anrufen solle, sagte Susanne wieder: „Ja.“ Dann legte sie den Hörer auf die Gabel und begann zu lachen. Und dann zu weinen, und dann tat sie beides gleichzeitig und ziemlich laut, was wiederum ein Zeichen für einen Schock ist.

Was war geschehen?

Frau Raabe hatte ihr von einem Zufall erzählt. Von eben jenem Zufall, von dem am Anfang dieser Geschichte die Rede war.
Frau Schmidt, Carinas Mutter, hatte am Tag zuvor einen Spielfilm gesehen. Im Fernsehen und zufällig, was bestimmt jedem Menschen auf dieser Welt schon mal passiert ist. Aber das Besondere war, dass dieser Film von 1955‚ der ‚Wenn der Vater mit dem Sohne’ hieß, sie so angerührt hatte, dass er ihre Einstellung zum Thema Pflegefamilie grundsätzlich verändert hatte.
Es geht in diesem Film um den Zirkusclown Teddy, gespielt von Heinz Rühmann, der Pflegevater des kleinen Jungen Ulli ist und diesen sehr liebt. Die beiden treten zusammen in der Manege auf. Doch eines Tages will Ullis Mutter ihr Kind abholen, um es mit nach Amerika zu nehmen, wo sie nun lebt. Teddy entführt Ulli zunächst ins Ausland, sieht aber dann ein, dass er das Recht der Mutter, die ihr Kind liebt, respektieren muss. Er vergießt bittere Tränen, als er am Ende ohne Ulli im Zirkus auftritt.

Angerührt durch diesen traurigen Schluss hatte Frau Schmidt plötzlich erkannt, was für Carina das Beste wäre: Nämlich bei Susanne und Rainer zu bleiben.

Weil Frau Raabe einen erneuten Meinungsumschwung durch vielleicht einen anderen Spielfilm befürchtete, hatte sie unverzüglich eingehakt und Frau Schmidt davon überzeugt, dass sie Carina zur Adoption freigeben solle. „Am besten sofort“, hatte sie erklärt und mit Frau Schmidt gleich für den nächsten Tag einen Termin beim Notar vereinbart. Aber würde diese wirklich kommen ..?
„Freuen Sie sich nicht zu früh, Frau Hansen. Erst Morgen, mit der Unterschrift, wird alles perfekt“, warnte Frau Raabe jedoch, um Susanne auf eine mögliche Enttäuschung vorzubereiten. Schließlich weiß man ja nie, wer wann welchen Film sieht und was danach alles passieren kann.

Susanne war wahnsinnig aufgeregt, wagte aber trotzdem nicht, Rainer von diesem Telefonat zu erzählen. Selbst nach einer schlaflosen Nacht behielt sie ihr Wissen für sich. Sie befürchtete, dass Rainers Enttäuschung einfach zu groß sein könnte. Doch am nächsten Tag verlief alles reibungslos. Sogar noch besser, als Susanne es je erwartet hatte, weil wieder ein Zufall ins Spiel kam, der den ersten nicht nur übertraf, sondern geradezu bestätigte.

Nachdem Frau Schmidt ihre Unterschrift unter das Adoptionsdokument gesetzt hatte, kam sie mit Frau Raabe ins Haus der Hansens, um Carina zu besuchen. Sie weinte, weil ihr der Entschluss trotz allem so schwer gefallen war.
Carina lag - von den Gefühlswallungen der Erwachsenen nichts ahnend - in ihrem Gitterbettchen. Aber statt ihren Mittagschlaf zu halten, sang sie das Lied ‚La LE Lu – nur der Mann im Mond schaut zu ...’ vor sich hin, das Susanne ihr beigebracht hatte. Als Frau Schmidt eine Weile allein mit Carina im Kinderzimmer war, hörte Susanne die beiden zusammen singen. Und was Susanne gar nicht wusste, weil sie selbst das Lied von ihrer Mutter gelernt hatte, war, dass ausgerechnet dieses Lied aus dem Film ‚Wenn der Vater mit dem Sohne’ stammt.
War auch das Zufall ..? Wie auch immer. Für Frau Schmidt muss es die Bestätigung gewesen sein, dass ihre Entscheidung die richtige war. Denn Susanne und Rainer liebten Carina ja wirklich wie ihr eigenes Kind. Sie hätten – wenn es hart auf hart gekommen wäre, ihr ganzes Leben für sie auf den Kopf gestellt.

Aber das war nun nicht mehr nötig. Denn nachdem die ersten Formalitäten erledigt waren, blieb es nur noch eine Formsache, aus Carina Schmidt auch auf dem Papier Carina Hansen zu machen. Und am Abend dieses denkwürdigen Tages, nachdem Rainer nämlich endlich erfahren hatte, dass er nun plötzlich und unwiderruflich Vater geworden war, wurde spontan ein riesiges Fest gefeiert. Alle freuten sich mit Susanne und Rainer bis tief in die Nacht. Und alle waren so glücklich und erleichtert, wie man es im Leben nur ganz selten ist.

Und Carina? Was sagte Carina zu der ganzen Sache, in deren Mittelpunkt sie doch die ganze Zeit über gestanden hatte?
Tja, Carina war eigentlich genauso fröhlich wie immer. Sie durfte so lange aufbleiben, wie sie wollte, was sie auch tat - bis sie vor Müdigkeit auf Susannes Schoß einschlief. Dann wurde sie von ihren neuen Eltern ins Bett gebracht, die aber noch dieselben waren wie am Tag zuvor. Deshalb war es für Carina vielleicht sogar ein ganz normaler Tag, vor allem, weil sie da war, wo sie hingehörte: zu Hause.

Nun kann jeder über Zufälle denken, wie er mag. Was der eine als Bestimmung empfindet, kann für den anderen nur ein x-beliebiges Zusammentreffen von Ereignissen sein, die sein Leben nicht berühren. Dass dieser Zufall hier jedoch weitreichende und wunderbare Auswirkungen hatte, wird sicher niemand bestreiten.
Und so gebührt zum Schluss einigen Menschen Dank, die zum Zufall und zum Gelingen der ganzen Aktion beigetragen haben:
Zu erst einmal Carina, weil es sie überhaupt gibt. Dann Frau Schmidt für ihre schwere, aber kluge Entscheidung. Susanne und Rainer natürlich ganz besonders für ihre Liebe in all den Jahren und ihr Durchhaltevermögen. Allen guten Freunden, die mitgehofft und mitgeholfen haben, und nicht zuletzt dem Programmdirektor des Fernsehsenders, weil er jenen Heinz-Rühmann-Film ausgerechnet an diesem Tag im August 1988 ausgestrahlt hat. Ob sich diese Geschichte ohne den Film an genau diesem Sendeplatz auch genauso ereignet hätte?
Das weiß schließlich niemand ...



Quelle: http://www.rp-online.de/hps/client/opini...der/geschwister

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Liebe Grüße
Silvia



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Hans Reimann

26.08.2008 10:31 peutetre ist offline E-Mail an peutetre senden Homepage von peutetre Beiträge von peutetre suchen Nehmen Sie peutetre in Ihre Freundesliste auf

umm
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http://www.derwesten.de/nachrichten/2008...015/detail.html
27.08.2008 10:08
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Daggi
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RE: lokalzeit aachen: pflegeeltern gesucht Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen

Hallo Umm,
danke für en Link.
Für die kurze Zeit finde ich es gut gemacht, vor allem, dass zumindest kurz auch der PS zu Wort kam. Nur fand ich hat die JA"Tante" ziemlich wischi-waschi geantwortet auf die Frage, welche Problem bei PK auftauchen können.

Gruß Daggi
27.08.2008 13:19
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kleene_paula
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stimmt, Daggi: alle Probleme wie bei leiblichen Kindern auch....
Tolle Aussage!!! Da wäre ja wohl etwas mehr Tiefgang nicht verkehrt gewesen.
27.08.2008 13:20
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Reica Reica ist weiblich
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Mit fremden Kindern leben

Adoptiv- und Pflegeeltern erzählen



http://www.schulz-kirchner.de/filespp/ko...emde_kinder.pdf




Quelle: schulz-kirchner

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Liebe Grüße von Reica



Wir leben auf Kosten unserer Zukunft.....also auf Kosten unserer Kinder!!!
28.08.2008 09:53 Reica ist offline E-Mail an Reica senden Homepage von Reica Beiträge von Reica suchen Nehmen Sie Reica in Ihre Freundesliste auf AIM-Name von Reica: Reica1
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umm
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diese pdf datei hat bei mir nur 15 seiten. soll das so sein? das inhaltsverzeichnis ist ja wesentlich umfangreicher.
28.08.2008 10:19
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peutetre peutetre ist weiblich
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Hallo umm,

es scheint sich hierbei um einen Auszug aus dem genannten Buch von Charly Kowalczyk zu handeln Daumen


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Silvia



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Hans Reimann

28.08.2008 10:25 peutetre ist offline E-Mail an peutetre senden Homepage von peutetre Beiträge von peutetre suchen Nehmen Sie peutetre in Ihre Freundesliste auf

umm
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ah ok!
dachte schon man könnte hier da buch "für lau" bekommen großes Grinsen
28.08.2008 10:37
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Eine ganz normale Familie Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen

Die Hagelsteins sind Leute wie du und ich. Vielleicht nicht ganz: Die Mutter ist alleinerziehend und hat neben ihrem leiblichen Sohn noch eine Pflegetochter. Für die Probleme, die programmiert sind, hat die Familie ihr eigenes Lösungskonzept gefunden. Jeder bekommt den Raum, den er braucht.Von Diana Zinkler

Sie möchten eine ganz normale Familie sein. Doch einiges spricht dagegen. Zum Beispiel, dass Patrizia Hagelstein alleinerziehend ist und Mariam, das Mädchen im Haus, nicht ihre leibliche Tochter, sondern ein Pflegekind. Sie sind zu dritt. Patrizia, die Mama, Pertti, der leibliche Sohn, und Mariam. Einen Vater gibt es nicht. Normal heißt für Patrizia Hagelstein aber vor allem, dass es allen gut geht. Und das geht nur, wenn keiner benachteiligt wird und wenn Mariam sich neben Pertti gleichberechtigt fühlt. Dass das klappt, hängt auch davon ab, wie sie wohnen und miteinander leben. In ihrem Reihenhaus in Volksdorf gibt es Regeln.

Pertti geht voran, die Treppe hoch. Gefolgt von Mariam. Die beiden Kinder, er ist elf, sie neun, bewohnen zusammen die obere Etage und kichern aufgeregt. Ihre Kinderzimmer liegen nebeneinander. Pertti Hagelstein benimmt sich wie der Hausherr, sagt: "Hier ist mein Zimmer, da Mariams und da ist das Gästezimmer, aber da steht unsere Playstation drin." Die beiden werden ruhiger, sind wohlerzogen. Ihre Zimmer sind aufgeräumt. Während Pertti sagt: "Hier ist unser Bad", stellt sich Mariam neben ihn und knotet mit ihrer Hand an seinem T-Shirt. Noch präsentieren sie einträchtig ihr Reich und streiten sich nicht. Knallen nicht die Türen. Das kommt erst später.

Ihre Zimmer gehen von einem Flur ab, Pertti geht in das rechte Zimmer. Mariam geht ins linke und setzt sich auf ihren Schreibtischstuhl. Sie kippelt, die Füße legt sie auf den Tisch, wo auch ein Notebook liegt. Sie nimmt sich einen rosa Gameboy und spielt. Ihr Zimmer ist weiß und hellgelb gestrichen, an der Decke hängt eine Discokugel. Mariam erzählt, dass sie gern tanzt und mit einer Spielkonsole Choreografien lernt. In einem Puppenhaus aus Holz liegen Puppen. Auf einem Regal steht ein Schminkkopf. Mariams Zimmer ist ein Mädchenzimmer, in großen Schubladen verbirgt sich Krimskrams, Glitzer-Haarbänder, Stifte und Stofftiere. Materiell fehlt ihr nichts.

Nebenan hat Pertti ein Jungenzimmer, ganz weiß gestrichen. Mit Fischertechnik, einer Lego-Bohrinsel auf dem Boden, Asterix-, Lucky-Luke- und Tim-und-Struppi-Heften auf dem Nachttisch. An der Wand hängen Medaillen, drei vom Slalom-Skifahren, eine von einem Fußballturnier. Auf seinem Schreibtisch steht ein Foto von Herbert Grönemeyer, und Miniatur-Abdrucke von Dinosaurierskeletten schmücken die Wand. Rechts davon steht eine Orgel, ein Notenheft darauf, offen aufgeschlagen. Es sieht unberührt aus, als hätte er lange nicht geübt.

Die Zimmer der beiden sind gleich groß.

Sie gehen die Treppe wieder runter. Das Schlafzimmer von Patrizia Hagelstein liegt im Erdgeschoss. Das ist ihr Raum. Küche und Wohn- und Esszimmer gehören wieder allen. Die drei setzen sich an einen großen Esstisch im Wohnzimmer und frühstücken. Etwas später als sonst, dafür aber französisch, mit Baguette, Butter und Marmelade. Während Mariam noch Tee trinkt, hat sich Pertti auch Kaffee eingeschenkt. "Das macht mir ein bisschen Sorgen, dass du jetzt so gern Kaffee trinkst", sagt seine Mutter. Er darf trotzdem und ist stolz darauf. Pertti wird erwachsen. Sie plaudern ein bisschen. Darüber wie es bei Opa und Oma war. Was die Kinder heute noch vorhaben. Normale Gespräche einer Familie. Einen Vater gab es nie.

"Der Mann weiß gar nicht, dass er mir mit Pertti das Geschenk meines Lebens gemacht hat", sagt Patrizia Hagelstein. Pertti ist das Produkt einer kurzen Beziehung mit einem Franzosen. Damals, das war 1996, hat Patrizia Hagelstein in Wien als Europasekretärin für Renault gearbeitet und dort Perttis Vater kennengelernt. "Es war nach ein paar Monaten klar, dass ich mich allein um unser Kind würde kümmern müssen. Deshalb bin ich auch zurück nach Hamburg gegangen." Dort lebten ihre Eltern, und sie brauchte das Netzwerk. Pertti und sie zogen in eine Zweieinhalbzimmerwohnung. Das kleine Zimmer war das Baby-Zimmer, das große gehörte ihr. Pertti und sie erinnern sich gemeinsam an die Wohnung und an die Küche. "Ja, das war eine schöne Wohnung", sagt Pertti und dann, "ich möchte mal nach Frankreich fahren." "Wozu?", fragt seine Mutter. "Um Laurent zu sehen." Laurent ist sein Vater, und es gibt keinen Kontakt. "Ja, das können wir mal machen", antwortet die Mutter. Sie hätte ja noch die Adresse seiner Eltern.

Der Vater ist ein Gesprächsthema, das in jüngster Zeit häufiger aufkommt. Patrizia Hagelstein wirkt ein wenig angespannt. Einerseits weiß sie, dass es wichtig ist, dass Pertti einmal seinen Vater kennenlernt, andererseits möchte sie ihn auch vor Enttäuschungen schützen. "Ja, wir können nach Frankreich fahren," sagt sie. Mariam hat die ganze Zeit aufmerksam zugehört.

"Darf ich Playstation spielen?", fragt Pertti. Patrizia erlaubt es ihm, und Mariam folgt ihm nach oben. "Es ist nicht ganz einfach. Ich muss hier vier Elternteile auf einmal repräsentieren." Sich, Perttis Vater und die Eltern von Mariam. Auch zu denen gibt es keinen Kontakt mehr. Aber Mariam stellt noch nicht so viele Fragen wie Pertti.

Für den Unterhalt der Familie ist Patrizia Hagelstein immer allein aufgekommen. Als Pertti drei Monate alt war, fing sie wieder an zu arbeiten, in Teilzeit. Das ging nur, weil die Oma dann auf das Baby aufgepasst hat. Überhaupt haben ihre Eltern sie immer unter-stützt, nicht nur bei der Betreuung. Auch das Reihenhaus, in dem sie heute zur Miete wohnen, gehört den Eltern. Sie arbeitet 30 Stunden in der Woche in einer taiwanesischen Firma. Sie spricht mehrere Sprachen, gerade lernt sie Dänisch.

Im Haus gibt es eine Regel. Anklopfen, wenn die Tür zu ist. Die Regel ist wichtig, damit jeder seinen Raum hat und das auch so fühlt. Oben schreit Mariam: "Du bist gemein!" Und Pertti schreit zurück: "Du willst immer, was ich will!" Eine Tür knallt. Es ist wieder ruhig. Patrizia Hagelstein atmet tief durch. "Sie streiten sich in letzter Zeit häufiger." Vor allem Mariam möchte sich durchsetzen. Gleichauf sein mit Pertti. Sie weiß, dass Patrizia Hagelstein nicht ihre richtige Mutter ist, sagt aber "Mama" zu ihr.

"Darüber habe ich immer ganz offen gesprochen", sagt Patrizia Hagelstein. Pertti betone manchmal Mariam gegenüber, dass sie ja nicht aus Mamas Bauch gekommen sei. So sind Kinder, manchmal grausam. Aber ihre Mutter versucht, das aufzufangen. "Ich erzähle Mariam dann, wie ich sie aus dem Kinderheim abgeholt habe. Das ist dann ihre Geburtsgeschichte. Das war für mich ein genauso schöner Moment."

Als Pertti zwei Jahre alt war, hatte sie das Gefühl, dass sie noch ein Kind möchte. Sie sei immer sehr gern Mutter gewesen. Aber ohne Mann? Außerdem fand sie das Verhältnis zu Pertti zu eng, zu sehr Mutter und Sohn. "Ich dachte, er bräuchte auch jemanden, der mit ihm auf einer Höhe ist." Zu dieser Zeit sah sie in der U-Bahn eine Werbung des Hamburger Vereins Pfiff, der Pflegeeltern und Pflegekinder vermittelt. "Zuerst dachte ich, ich hätte nicht die besten Voraussetzungen, weil ich alleinstehend bin. Aber das war kein Problem." Sie wurde befragt, ging auf Seminare, füllte Testbögen aus. Gut ein halbes Jahr stand sie auf der Warteliste für ein Pflegekind. Im Juli 2000 kam dann der Anruf. "Meine erste Frage war: Ist es ein Mädchen oder ein Junge?" Glücklich sei sie gewesen in diesem Moment, sehr glücklich. Zusammen mit Pertti hat sie dann das Zimmer eingerichtet. Sie zog in das kleine, Pertti zog in das große, das er sich von da an mit seiner neuen Schwester teilte. Mariam war 15 Monate alt, als sie zu ihnen kam. Ein Dreivierteljahr lebte Mariam bei ihrer leiblichen Mutter, danach im Kinderheim. Über das Warum möchte Patrizia Hagelstein nicht sprechen. Sie möchte auch Mariam beschützen.

"Beim Einräumen des Zimmers war Pertti noch total froh. Auch als Mariam dann da war, aber nach ein paar Wochen hat er schon gefragt, wann sie wieder weg ist." Patrizia Hagelstein lacht darüber. Aber ihr Lachen über die Erinnerung wird unterbrochen von einem Aufstampfen. Mariam ist aus ihrem Zimmer gekommen, und die beiden schreien wieder. Es geht um die Playstation. Mariam läuft die Treppe runter, wirft sich in den Arm der Mutter, sagt: "Pertti lässt mich nicht spielen." Sie einigen sich darauf, dass sie Pertti noch zwanzig Minuten geben soll, weil er zuerst da war. Im Gehen ruft Mariam: "Zehn Minuten."

Seit acht Jahren ist Mariam jetzt bei ihnen. Am Anfang wollte Patrizia ihr all die Nähe geben, die sie vielleicht in ihrem ersten Lebensjahr vermisst hat. Aber Mariam konnte die Nähe nicht ertragen. "Weil sie das nicht kannte. Ich musste erst lernen, mich zurückzunehmen und warten, dass sie auf mich zukommt." In der Kinderkrippe mit vielen Kindern habe sich das Mädchen am wohlsten gefühlt. Das war wie im Kinderheim, immer viel los. Wenn Patrizia Hagelstein sie dann abholen wollte, weinte Mariam meist. "Ich erinnere mich noch genau daran, wie sie sich das erste Mal gefreut hat, mich zu sehen. Das war ein Durchbruch."

Trotz der Eingewöhnungsschwierigkeiten haben die Kinder in den ersten zwei Jahren in einem Zimmer gut zusammen gewohnt. Doch Mariam bekam immer mehr Wutausbrüche. Sie brauchte ihren eigenen Platz. Als Pertti sechs war und Mariam vier, zogen sie in das Reihenhaus. Und die Großzügigkeit des Hauses entspannte auch die Situation. Außerdem gibt es einen Garten mit einer Schaukel. Vor dem Frühstück und vor der Schreierei haben die beiden noch stolz und friedlich den leuchtenden Brunnen im Garten vorgeführt, den ihnen der Opa geschenkt hat.

Doch das scheint jetzt eine Ewigkeit her zu sein. Mariam hat wieder ihre Tür geknallt und schluchzt jetzt so laut, dass Patrizia Hagelstein nach oben geht. Sie klopft an Mariams Tür. "Darf ich rein?" Mariam antwortet mit einem dramatischen "Ja." Während Patrizia Hagelstein im Zimmer ist, sitzt Pertti auf dem Sofa des Gästezimmers und spielt Playstation. Anscheinend unberührt. Doch sein Teint ist aufgeregt-rot. Als seine Mutter aus dem Zimmer kommt, sagt er "die nervt". Patrizia Hagelstein lässt die beiden. Mit Mariam will sie gleich nach Farmsen zum Einkaufen fahren. Pertti will zu einem Freund.

Als sie gerade eingezogen waren in das Haus, da hätten die beiden sich so vermisst in ihren neuen Zimmern, dass Mariam nachts zu Pertti ins Bett gekommen sei. Und als Mariam eine Zeitlang unter Alpträumen litt, hat Pertti die Gästematratze in ihr Zimmer geschleppt und bei ihr geschlafen.

"Es ist gut, dass die Schule wieder angefangen hat," findet Patrizia Hagelstein. Dann hat jeder wieder mehr Raum.


Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2008/08/30/928995.html

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Silvia



Mit den Wölfen heulen gilt denen als Ausrede, die mit den Schafen blöken.
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29.08.2008 23:20 peutetre ist offline E-Mail an peutetre senden Homepage von peutetre Beiträge von peutetre suchen Nehmen Sie peutetre in Ihre Freundesliste auf

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Seit 50 Jahren haben sie ganz viel gemeinsam Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen

Seit 50 Jahren haben sie ganz viel gemeinsam

Mit den Jahren wurde die Familie mit drei Kindern gesegnet. Zudem wurde noch ein Kind adoptiert und Edeltraude Hoffmann nahm gleichzeitig immer wieder Pflegekinder bei sich auf, so dass sich die Zahl der von ihr bemutterten Kinder mit den Jahren auf 25 belief. Hierfür wurde der Jubilarin 1994 das "Bundesverdienstkreuz am Bande" verliehen. Doch heute sind alle ihre Kinder verstreut, so dass es noch überwiegend die fünf Enkelkinder sind, welche die Zweisamkeit der Hoffmanns auflockern.

zum weiterlesen: http://www.suedkurier.de/region/rheinfel...art2947,3392272


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Irina


Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus

01.09.2008 09:50 Irina ist offline Beiträge von Irina suchen Nehmen Sie Irina in Ihre Freundesliste auf AIM-Name von Irina: locotanz1
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Interessanter Link Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen

Hier ein sehr interessanter Link mit vielen Berichten zum Thema Pf



http://www.wdr.de/mediathek/html//region...7C31.mediathek4

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Liebe Grüße von Reica



Wir leben auf Kosten unserer Zukunft.....also auf Kosten unserer Kinder!!!
13.09.2008 17:30 Reica ist offline E-Mail an Reica senden Homepage von Reica Beiträge von Reica suchen Nehmen Sie Reica in Ihre Freundesliste auf AIM-Name von Reica: Reica1
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danke Reica! Höre gerade das Thema NRW.
Sehr empfehlenswert!!!

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liebe Grüße, tulpe
13.09.2008 21:04 tulpe ist offline E-Mail an tulpe senden Homepage von tulpe Beiträge von tulpe suchen Nehmen Sie tulpe in Ihre Freundesliste auf
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peutetre peutetre ist weiblich
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»Die Jahre mit den Kindern sind schöne Erinnerungen« Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen

Hilde Faulhaber strahlt. Kinder sind ihr Leben. Deshalb ist sie Tagesmutter. Und deshalb kann sie sich nichts Schöneres vorstellen, als die Betreuung von ihren Tagespflegekindern.

Seit 1991 kümmert sich Hilde Faulhaber aus Zierolshofen als Tagesmutter um Kinder, deren Eltern berufstätig sind. Als sie damit anfing, war ihr Sohn Kai elf Jahre und ihre Tochter Antje sieben Jahre. »Als drittes Kind kam nun der einjährige Sebastian als Pflegekind hinzu, und das war einfach ideal«, sagt sie. »Er sagt immer noch Papa und Mama zu uns«, erzählt sie weiter. Die Bindung war sehr eng, denn der Junge blieb vier Jahre lang acht Stunden täglich bei der Familie. Die Tagespflegemutter gab gerne zugunsten der vielen Kinder, die im Laufe der letzten 17 Jahre von ihr betreut wurden, ihren Beruf als Großhandelskauffrau auf.
»Dann ist Sophie gekommen für einen Sommer lang…« Von jedem Kind weiß Hilde Faulhaber zu berichten, jedes Mädchen und jeder Junge ist ihr ans Herz gewachsen. Celine, Jolina, Kaylon, Sophie, Thorsten, Sebastian, Kasimir, Estelle, Jacob, Samuel und Finn werden aufgezählt. Viele Andenken hat sie von diesen Kindern parat, auch alle Terminpläne, liebevoll dekoriert mit Fotos und Sprüchen. »Die kann ich nicht wegwerfen, es sind schöne Erinnerungen an all die Jahre mit den Kindern.«
Nie zu wenig Zeit
Im Moment hat Hilde Faulhaber nur drei Kinder, die stundenweise bei ihr sind. Frühstücken, vom Kindergarten abholen, Mittagessen, alles ist möglich. Familie Faulhaber ist flexibel

Seit Gründung des Tagesmüttervereins Kehl-Hanauerland 2001 ist für die Arbeit der Tagesmutter ein Grundkurs mit Fortbildung Pflicht. Nach 30 Stunden erhielt Hilde Faulhaber ihr Zertifikat. Ein Muss ist auch das Absolvieren eines Rotkreuz-Kurses.
Wenn sie ihre vielen Geschichten und Erlebnisse mit den Pflegekindern erzählt, könnte man sich fragen, ob Hilde Faulhaber noch ein Eigenleben hat. Aber sie sagt: »Ich hatte nie das Gefühl, zu wenig Zeit für mich zu haben.« Immerhin ist sie noch im Vorstand des örtlichen Frauenvereins, liest viel, und spielt immer am ersten Advent mit der Laienspielgruppe aus dem Ort Theater. Sie hilft bei diversen Anlässen beim Dekorieren der Festhalle und freut sich über Besuche der ehemaligen Pflegekinder und deren Familien. So werden auch Familienfeste bei den Faulhabers immer im großen Kreis gefeiert.
Wie ihre eigenen Kinder hat sie ihre Pflegekinder behandelt und es ist ihr ein großes Anliegen, dass die Kleinen in Geborgenheit aufwachsen. Deshalb auch ihr Appell an die jungen Mütter: »Nehmt zu euren Kindern noch ein oder zwei dazu, es läuft genauso gut, wenn diese mit den eigenen am Tisch sitzen und mitessen.«
»Im Moment habe ich noch Platz frei für Pflegekinder.« Hilde Faulhaber sagt es strahlend und es ist ihr anzumerken, dass die Neuen wieder hochwillkommen sein werden.


Quelle: http://www.baden-online.de/news/artikel....el_kehl&id=4093

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Silvia



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19.09.2008 21:34 peutetre ist offline E-Mail an peutetre senden Homepage von peutetre Beiträge von peutetre suchen Nehmen Sie peutetre in Ihre Freundesliste auf

Reica Reica ist weiblich
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Berlin- Mit Kunststücken ab in die Zukunft Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen

Mit Kunststücken ab in die Zukunft

Natürlich wird Eva-Maria Braun stolz sein auf ihre Töchter. Auf Ama (13) und Nicole (14), die mit dem Einrad auf die Bühne im Wintergarten Varieté fahren werden. Auf Jacqueline (16), die gekonnt den Hula-Hoop-Reifen dreht, und auf Sarah (14), die am Trapez schwingt. Jede Mutter wäre das. Aber bei Eva-Maria Braun ist es noch mehr. Denn ihre Töchter sind Pflegekinder. Sogenannte "Problemkinder" mit körperlichen oder geistigen Defiziten.

Sarah war vier Monate alt, als sie zu Eva-Maria Braun kam, die damals vom Jugendamt Kreuzberg als erste Adresse für Kinder geführt wurde, die eines Tages zu Pflegeeltern kommen sollten. Sarahs Mutter war Alkoholikerin, ging dauernd auf Trebe und ließ das Baby tagelang allein zurück. "Welche Schäden sie hatte, war nicht abzusehen", sagt die 52-jährige. Das Verhalten des Babys war ungewöhnlich: Sobald ein Unbekannter es auf den Arm nahm, hörte es auf zu atmen und wurde bewusstlos. "Und nachts wachte es alle 20 bis 30 Minuten auf und geriet in Panik", sagt Eva-Maria Braun. Trotzdem war ihr schon nach ein paar Wochen klar: "Das Kind bleibt bei mir."

Niemand wollte sie haben

Nach einer Weile kam Ama dazu. Gerade mal acht Wochen alt. Die Mutter war nicht in der Lage, sie zu versorgen, der Vater kam aus Ghana, lebte illegal in Deutschland. Ama nahm keinen Blickkontakt auf, ließ sich ungern berühren, schlug mit dem Kopf von einer Seite auf die andere. Als sie etwas größer war, fing sie auch noch an zu beißen. "Einige Pflegeeltern haben sich hier vorgestellt", sagt Eva-Maria Braun. "Keine wollten sie haben." Denn die Prognose war düster: Ama würde niemals laufen oder sprechen können, stellten Fachleute. "Höllisch war das", sagt Eva-Maria Braun, "ich wollte sie eigentlich auch nicht behalten." Doch als Ama ein Jahr alt war, schaute sie ihrer Pflegemutter das erste Mal fest in die Augen. "Dann konnte ich sie nicht mehr hergeben."
Nur ein paar Monate später nahm Eva-Maria Braun auch noch Jacqueline, damals 4, und ihre zweijährige Schwester Nicole in die Familie auf. "Beide waren sehr verstört", sagt die Pflegemutter. "Die kleine Nicole fiel ständig hin, war entweder extrem unruhig oder ganz phlegmatisch." Nachts kratzte sich das kleine Mädchen am ganzen Körper blutig. Eva-Maria Brauns Stimme wird ganz leise, wenn sie über die ersten Wochen mit den beiden Schwestern spricht. "Sie haben einiges mitgemacht", sagt sie.
Für alle vier Kinder stellte das Jugendamt einen erhöhten Förderbedarf fest. Bis heute bekommt Eva-Maria Braun pro Pflegekind nicht die normalen 300 Euro, sondern 950. Fast zwei Jahre lang lief Eva-Maria Braun mit ihren Kindern von einer Therapie zur nächsten. Sie machte Krankengymnastik und förderte sie, so gut sie konnte. "Doch die motorischen und geistigen Defizite blieben", sagt sie.

Wohnzimmer als Abenteuerspielplatz

Bis vor zehn Jahren. Eva-Maria Braun erinnert sich ganz genau an den Tag. Es war Muttertag, Nicole stürzte mal wieder, verletzte sich schwer am Kopf. "Das war ein Schock für mich", sagt Eva-Maria Braun. Noch am selben Tag verwandelte sie das Wohnzimmer ihrer Kreuzberger Wohnung in eine Turnhalle. Mit Matten, Trapez, Geräten und Balancespielzeug. "Ich wusste, wir müssen noch mehr tun", sagt sie. Die Kinder tobten den ganzen Tag auf ihrem neuen Abenteuerspielplatz. Hüpften und balancierten. Schaukelten, tanzten.
Wenn Eva-Maria Braun erzählt, was in den kommenden Wochen und Monaten geschah, hört man ihrer Stimme noch heute an, dass sie es selbst kaum glauben kann. "Die Kinder entwickelten sich plötzlich rasant", sagt sie. An einem Spätsommertag, Eva-Maria Braun machte gerade ein Kreisspiel mit den Mädchen, stand Ama plötzlich auf und lief los. Wenig später lernte das Kind, das bis dahin als schwer behindert galt, schwimmen, sprechen und Rad fahren. Jacqueline interessierte sich sofort für das neu angeschaffte Einrad. Ein paar mal probierte sie, dann fuhr sie einfach los. Ebenso Nicole. Und Sarah, die bis dahin große motorische Defizite hatte, entwickelte so viel Talent, dass Eva-Maria Braun sie bald mehrfach in der Woche zum Akrobatik- und Turn-Training schickte.
"Auch intellektuell zog Sarah plötzlich nach", sagt Eva-Maria Braun. Sie schaffte es auf die Realschule, und in diesem Jahr wurde sie als eines von zehn Kindern aus ganz Deutschland an der staatlichen Artistenschule in Pankow angenommen. Mehrere Stunden Training am Tag, dazu die Schule. "Ganz schön hart", sagt Sarah. Doch kaum zu Hause, schwingt sie sich erst mal auf das Trapez, das im Wohnzimmer von der Decke baumelt. "Sarah hängt eigentlich immer kopfüber von der Decke", sagt Eva-Maria Braun, "wir sitzen am Esstisch und Sarah hängt dabei."

Finanzielle Probleme

Mittlerweile trainiert Eva-Maria Braun nicht nur ihre eigenen Kinder. Etwa 50 Kinder kommen regelmäßig zu ihr ins Sportzentrum am Columbiadamm. Sie fahren Einrad, jonglieren, laufen auf einer großen Kugel und turnen am Trapez. Eva-Maria Braun steht dabei, gibt Tipps, macht Hilfestellung. Eva-Maria Braun sieht nicht aus wie eine Akrobatin. Sie ist klein, ein bisschen rundlich. "Die Kinder können die meisten Sachen besser als ich", sagt sie, "aber ich weiß, wie ich es ihnen beibringen kann."
Jacqueline ist ein ruhiges Mädchen. Sie will Abitur machen, dann Tierärztin werden. Sarah wird natürlich Artistin. Ama und Nicole besuchen eine Förderschule, aber auch sie haben schon Ideen für die Zukunft. "Niemand hat damit gerechnet, dass die vier mal so weit kommen werden", sagt Eva-Maria Braun. Sie selbst auch nicht.
Finanziell ist die positive Entwicklung der Kinder für Eva-Maria Braun allerdings ein Problem. Denn jedes Jahr erstellt das Jugendamt ein neues Gutachten über die Mädchen. Und schon seit drei Jahren steht der erhöhte Förderbedarf von Jacqueline und Sarah auf der Kippe. "Sie entwickeln sich einfach zu gut", sagt Eva-Maria Braun. Ihre Stimme klingt bitter. Und wenn das Jugendamt dann demnächst feststellt, dass die beiden Mädchen keinen Förderbedarf mehr haben, bekommt Eva-Maria Braun für die Betreuung der Mädchen jeden Monat 700 Euro weniger. "Das wäre sehr bitter", sagt sie. Denn ein anderes Einkommen hat sie nicht. Die Betreuung der Mädchen ist ihr Beruf. "Ich werde dafür bestraft, dass sie sich bei mir so gut entwickeln."
Doch wenn sie ihre vier Töchter anschaut, verfliegt der Ärger über die Ämter ganz schnell. Sie sieht Sarah, die lachend am Trapez über den Esstisch schwingt, Ama mit dem Hula-Hoop-Reifen am Sofa und Nicole mit ihrer Schwester auf dem Trampolin. Sie sieht vier glückliche Mädchen, die einen so schweren Start ins Leben hatten. "Sie sind super, meine Mädels", sagt Eva-Maria Braun, "die Artistik hat sie zurück ins Leben geholt."

Am 22. September um 20 Uhr treten die Töchter von Eva-Maria Braun und andere Kinder ihrer Artistengruppe im Wintergarten Varieté (Potsdamer Straße 96) auf. Das Programm heißt "Amatista - Flügel deiner Phantasie". Es verbindet Artistik mit irisch-keltischer Musik. Karten kosten zwischen 20 und 45 Euro, Bestellung: Tel. 25 00 88 88



Quelle: http://www.morgenpost.de/printarchiv/ber...ie_Zukunft.html

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20.09.2008 13:01 Reica ist offline E-Mail an Reica senden Homepage von Reica Beiträge von Reica suchen Nehmen Sie Reica in Ihre Freundesliste auf AIM-Name von Reica: Reica1
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Die Geschichte eines Pflegekindes: „Ich hatte Glück” Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen

Kein Bericht über eine PF, aber einer über ein PK:


Die Geschichte eines Pflegekindes: „Ich hatte Glück”

Gelsenkirchen. Immer mehr Kinder und Jugendliche kommen in fremde Familien, weil sie von ihren leiblichen Eltern vernachlässigt werden. Weil sein Vater seine Mutter schlug, kam auch Andreas als Baby ins Heim.

Ein ruhiger junger Mann: Einer, der erst überlegt, bevor er spricht. Einer, der sich sein Gegenüber genau anschaut, bevor er lächelt: Andreas ist 16, und seine Geschichte ist anders als die seiner Kollegen, mit denen er gleich wieder zum Fußballtraining losziehen wird.

„Ich war ja damals noch ein Baby. Ich habe ja nichts mitgekriegt. Erst später habe ich mal gefragt, da hat meine Mutter es mir erzählt. Dass ich noch eine andere Mutter habe, eine Bauchmama, die mich aber schon als Baby ins Heim gegeben hat. Mein leiblicher Vater hat sie geschlagen, weil er immer betrunken war. Sie dachte, er würde mich auch schlagen, da hat sie mich ins Heim gebracht. Sie hat mich weggegeben,weil sie Angst um mich hatte...”

Andreas sitzt im Sessel im Wohnzimmer der Familie Fiedler*. Mutter Fiedler sitzt auf der Lehne, wenn Gäste kommen, rückt man hier gerne zusammen. In der Glasvitrine stehen Kinderbilder in Rahmen, eins von Andreas bei der Einschulung, eins von seiner großen Schwester und eins von Bruder Christopher.

„Mit meiner Schwester und meinem Bruder war es immer so wie mit richtigen Geschwistern. Mit beiden verstehe ich mich gut, besonders mit meinem Bruder, er ist immer zum Jugendtreff gegangen, zur Hausaufgabenbetreuung, hat mich mitgenommen, auch zum Fußball. Den Kollegen habe ich das irgendwann erzählt, dass ich ein Pflegekind bin. Manche haben sich gewundert, aber wenn ich sehe, was bei denen so los ist – manche sind im Heim, oder sie haben Stress zuhause – dann denke ich: Ich habe hier doch alles. Ich habe mein eigenes Zimmer, ich habe einen Platz. Mit meinem Vater gucke ich samstags immer Fußball, mein Bruder kommt dann auch, manchmal noch Nachbarn. Früher sind wir jeden Sonntag zum Schwimmen gegangen, da hat mein Vater mir Schwimmen beigebracht. Jetzt gucken wir Fußball.”

Andreas hat seinen leiblichen Vater nie kennen gelernt. Seine Mutter hat ihn drei-, vier Mal besucht, als er noch ein Baby war. Vor fünf Jahren ist sie gestorben. Sein Vater trinkt immer noch. Er hat kein Interesse an dem Jungen bekundet, seit dieser bei den Fiedlers ist.

„Ich wollte den Kontakt auch gar nicht. Ich habe ja Eltern. Hier, das waren für mich immer meine Eltern. Meine leiblichen Eltern haben es wohl einfach nicht geschafft, aber schuldig fühle ich mich deswegen nicht. Ich kann ja nichts dafür. Ich kann nichts dafür, dass mein Vater trinkt und gewalttätig ist.”

Andreas geht in die 9. Klasse. In der Schule hat er gute Noten, er engagiert sich im Fußballverein. Vor einem Monat, als seine Cousine ein Kind bekommen hat, hat sie ihn gefragt, ob er Patenonkel werden möchte. In seinem Zimmer steht eine Kerze auf einem Regal, die zeigt ein Kreuz.

„Ich möchte einen vernünftigen Schulabschluss machen, und dann eine Ausbildung. Ich wünsche mir auch Kinder, Familie bedeutet mir etwas. Wenn ich mal ausziehe, dann möchte ich in der Nähe bleiben. Meine beiden Tanten wohnen hier, meine Oma gleich um die Ecke. Und ich möchte meine Kinder ordentlich erziehen. Ich bin hier ordentlich erzogen worden, ich weiß, warum ich keinen Mist baue. Ich bin Sportler. Ich glaube an Gott. Manchmal, wenn ich am Heim vorbeikomme, und ich sehe Kollegen, die da wohnen – wie die rauchen und was die sonst so machen – dann denke ich: Ich hatte Glück, dass ich da nicht bleiben musste.”

Andreas steht vor seinem Schreibtisch, die Arme verschränkt. Wenn er jetzt schaut, schaut er seinem Gegenüber direkt in die Augen.

„Ich sehe, was andere tun, was ich gut finde: Ein Kollege hat angefangen, Partys zu organisieren, hat rumtelefoniert, Flyer gedruckt, sich um Sponsoren gekümmert. Der wollte das machen und hat es sich einfach getraut. Ein bisschen Geld hat er auch verdient, aber das Beste ist, dass er sich getraut hat. Er wollte es machen, und er hat es geschafft, und jetzt macht er es nochmal. Mein Bruder ist Schweißer. Wir haben eine eigene Fußballmannschaft auf die Beine gestellt. Wir trainieren dreimal pro Woche, wir machen Lauftraining. Als es jetzt so heiß war, sind wir zum Schwimmen nach Haltern gefahren. In unserer Mannschaft kümmert sich jeder um den anderen.”

Das Gespräch ist beendet, Andreas muss zum Training. Wenn er heim kommt, wird Mutter Fiedler ihm noch eine Schnitte machen. Und das Fenster auf in seinem Zimmer.

* Name geändert


Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/waz/...945/detail.html

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Silvia



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22.09.2008 21:27 peutetre ist offline E-Mail an peutetre senden Homepage von peutetre Beiträge von peutetre suchen Nehmen Sie peutetre in Ihre Freundesliste auf

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Eltern für ein Jahr: Zu Besuch bei einer Pflegefamilie Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen

Eltern für ein Jahr: Zu Besuch bei einer Pflegefamilie


Im Schnitt haben Jugendämter in Deutschland im vergangenen Jahr 77 Kinder und Jugendliche in ihre Obhut genommen - pro Tag. Gut acht Prozent mehr als noch im Jahr 2006.


Nicolas' Mutter hat gewusst, dass man ihr den Sohn wegnehmen wird. Als der acht Monate alte Junge aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hat sie ihn an sich gepresst, ganz fest, hat geschrien und geweint. Brigitte Wünsch musste ihr den Jungen und den bunten Kinderkoffer im Krankenzimmer aus den Armen reißen. In dem Köfferchen steckte ein Zettel: "Liebe unbekannte Frau, bitte pass gut auf mein Kind auf."

Vermutlich war es der damalige Lebensgefährte der Mutter, der Nicolas* misshandelt hat. Mit einem doppelten Schädelbasisbruch kam der Junge erst in die Klinik, dann zu Brigitte Wünsch und ihrem Mann Benjamin. Sie sind Bereitschaftspflegeeltern, eine Art "erste Hilfe" für Kinder in Not. Zwischen dem Anruf des Jugendamtes und der Ankunft des neuen Familienmitglieds liegen oft nur ein paar Stunden.

"Ein bisschen ist dieser Moment jedes Mal wie eine Geburt", sagt Brigitte Wünsch, selbst Mutter von fünf Kindern. Sie sitzt auf der Terrasse ihres Hauses in der Nähe von Dachau bei München. Sie ist schlank, hat kurze braune Haare und ist gerade 50 geworden. In der einen Hand hält sie ein Glas Wasser, mit der anderen drückt sie Jason an sich - ihr 13. Pflegekind. Wie lange der fünf Monate alte Sohn einer Drogenabhängigen bleiben wird, weiß sie noch nicht. Eigentlich sollten alle Kinder spätestens nach einem halben Jahr in eine dauerhafte Pflegefamilie vermittelt werden oder zurück zu den Eltern. Doch das funktioniert nicht immer. Nicolas blieb zwei Jahre, Sonja drei, und dann ist da noch Tim, der Dauergast. Aber der ist gerade noch im Kindergarten.

"Fälle von Kindern wie Kevin und Lea-Sophie, die zu Hause verhungert sind, haben die Öffentlichkeit sensibilisiert", sagt Silvia Dunkel vom Münchner Jugendamt. Eigentlich eine erfreuliche Nachricht. Doch mehr Inobhutnahmen bedeuten auch einen größeren Bedarf an Pflegefamilien. Und hier hakt es. Denn Familien wie die Wünschs sind Mangelware. Das Münchner Jugendamt hat 37 Bereitschaftspflegefamilien - zurzeit sind alle "belegt". "Wenn wir morgen ein Kind aus einer Familie herausnehmen, bleibt nur das Heim", sagt Dunkel. Im Winter will die Behörde eine Werbekampagne für Pflegeeltern starten. In anderen deutschen Städten ist die Situation nicht besser.

Anders als Adoptionskinder, die sogar aus dem Ausland geholt werden, sind Pflegekinder schwer vermittelbar. Die meisten haben die ersten Monate bei ihren leiblichen Eltern verbracht und bringen nicht nur einen bunten Kinderkoffer, sondern auch eine oft traumatische Vorgeschichte mit, die sie ihr Leben lang mit sich rumschleppen. Manche können mit fünf Jahren noch nicht Zähne putzen, andere machen mit acht noch ins Bett. Früher hat sich Brigitte Wünsch oft gefragt, was sie falsch gemacht hat, wenn sich Nicolas, der bei jeder Bewegung zusammenzuckte, mal wieder die Seele aus dem Leib brüllte, oder die 15-jährige Sonja, ihr erstes Pflegekind, plötzlich wissen wollte, warum die Wünschs eigentlich Geld für sie bekommen. Was antwortet man auf so eine Frage? Brigitte Wünsch hat sich viel angelesen in den vergangenen zehn Jahren. Im Wohnzimmer, hinter einer gelben Tigerenten-Wiege, steht ein Bücherschrank voller Fachliteratur. Inzwischen weiß sie: Erst nach der Sonnenscheinphase beginnt die Normalität. "Eigentlich ist ein Kind erst richtig angekommen, wenn es schwierig wird."

Bis jetzt wurden alle schwierig. Oft haben sie ihre Pflegemutter an den Rand der Verzweiflung getrieben. Dabei wollte sie doch eigentlich nur Gutes tun. Auch Toffia, 16, der jüngste Sohn der Wünschs, der als einziges der fünf eigenen Kinder noch zu Hause wohnt, ist manchmal einfach nur total genervt. "Wenn sich jemand im Alltag daneben benimmt, denkt man ja nicht immer an seine schlimme Vorgeschichte." Als Sonja kam, musste der damals Fünfjährige mit seinem Bruder in ein Zimmer ziehen. Sein Vater Benjamin, der heute als medizinischer Berater eines Labors arbeitet, war damals noch Pfarrer. Dass oft Menschen vor der Tür standen, die Hilfe brauchten, war Toffia deshalb gewohnt. Trotzdem: Ein paar neue Geschwister hätte er am liebsten sofort wieder weggeschickt.

650 Gramm Leben

Diesen Gefallen haben ihm seine Eltern allerdings nur einmal getan. Bei Tilo. Der schlaksige Junge, 16 Jahre alt, Sohn einer Obdachlosen, der immerzu Hunger hatte und staunend vor dem gefüllten Kühlschrank stand, war seiner neuen Familie an guten Tagen einfach nur unendlich dankbar. An schlechten belog und bestahl er sie. "Als er die zweite Lehrstelle schmiss, die ich ihm mühsam besorgt habe, gab ich die Hoffnung auf", sagt die Pflegemutter. Noch am selben Tag schickte sie ihn fort, ein halbes Jahr später saß Tilo im Knast. "Es war die falsche Entscheidung", sagt sie heute. "Viele Dinge habe ich erst im Nachhinein verstanden." Für Sekunden schließt Brigitte Wünsch die Augen, so, als wolle sie diesen Tag rückgängig machen.

Für sentimentale Gedanken bleibt jetzt jedoch keine Zeit. Tim ist vom Kindergarten zurück. Seit sechs Jahren wohnt der Siebenjährige mit der blauen Brille und den blonden Haaren bei den Wünschs. Sein Entwicklungsstand entspricht etwa dem eines Vierjährigen. Jeden Fremden schließt er sofort in sein Herz. Auch den Fotografen. "Du gehst aber nicht weg, oder?", fragt Tim ihn, als der ihn bittet, sich fürs Foto mal kurz umzudrehen.

Seine Mutter brachte ihn in der 23. Schwangerschaftswoche zur Welt. Mit Verdacht auf Blinddarmentzündung war sie zum Arzt gegangen. Mit 650 Gramm kämpfte sich Tim ins Leben. Als er nach sieben Monaten aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte, waren seine leiblichen Eltern völlig überfordert. Tim war zerbrechlich, apathisch, stieß mit dem Kopf gegen die Wand, aß nicht, ließ sich nicht anfassen. "Mit dieser Welt hatte er nichts zu tun", erinnert sich Wünsch. Eigentlich hätte auch Tim nur ein halbes Jahr bleiben sollen, aber ein erneuter Beziehungsabbruch wäre vermutlich sein Todesurteil gewesen. Also blieb er. Drei Jahre hat es gedauert, bis er zum ersten Mal einen Löffel in den Mund nahm, fünf, bis er zum ersten Mal alleine aus seinem Bett aufstand. "Jetzt kommt er sogar manchmal zum Schmusen. Und weinen kann er auch", sagt Wünsch. Dabei steigen ihr selbst die Tränen in die Augen.

In solchen Momenten weiß sie, warum sie Pflegemutter ist. Natürlich, sie bekommt auch Geld dafür. 84 Euro am Tag für Jason. Bleiben die Kinder länger, zahlt das Jugendamt zwischen 700 und 800 Euro im Monat. Für Tim gibt es noch eine Mehrbedarfszulage. "Aber das Geld könnte ich mit einem anderen Job tausendmal leichter verdienen", sagt Wünsch. Eigentlich wollte sie Lehrerin werden, aber wegen ihrer Kinder gab sie das Studium auf. Zu ihrer jetzigen Arbeit kam sie eher zufällig. Sie betreute Sonjas Mutter, eine psychisch kranke Frau. Als die sich zum wiederholten Mal die Pulsadern aufschnitt und ins Krankenhaus kam, nahm sie die 15-Jährige bei sich auf.

Wut auf die Konkurrenz-Eltern

Pflegekinder sind aber natürlich weit mehr als ein Job. Besonders Tim. Er ist inzwischen ein festes Familienmitglied. "Ich habe für ihn ähnliche Gefühle wie für meine eigenen Kinder", sagt Wünsch. Nicht bei allen Pflegekindern sei das so. Aber bei manchen.

Tims leibliche Eltern wohnen mittlerweile weit weg. Manchmal schicken sie ihrem Sohn eine SMS, obwohl Tim ja gar nicht lesen kann. Drei-, viermal im Jahr zahlt ihnen das Sozialamt eine Fahrt nach Dachau. Ärger zwischen Eltern und Pflegeeltern ist bei solchen Treffen programmiert. Brigitte Wünsch muss sich dann oft zusammenreißen. Trotzdem redet sie vor Tim nie schlecht über seine Eltern. Den Kontakt zu den leiblichen Eltern zu fördern - auch wenn diese oft wütend auf das Jugendamt und die neuen Konkurrenzeltern sind -, das gehört zu ihrem Beruf.

Genauso wie der Abschied. Von allen Schützlingen muss sie sich irgendwann wieder trennen. "Weh tut es bei allen", sagt Wünsch. Jedem Kind bastelt sie zum Abschied ein Fotoalbum. Während der mehrwöchigen Rückführungsphase versucht sie stark zu sein. Aber das gelingt nicht immer. "Besonders schlimm ist es, wenn ich weiß, dass die Kinder in ihre alte Umgebung zurückkommen und sich nichts geändert hat." So wie bei Nicolas. Nach zwei Jahren ging er zurück zur Mutter. Manchmal ähneln die Szenen dann der im Krankenhaus - nur dass Brigitte Wünsch jetzt auf der anderen Seite steht.

Doch es ist oft kein Abschied für immer. Zu manchen Pflegekindern haben die Wünschs Jahre später noch Kontakt. Auch Sonja, ihr erstes Pflegekind, kam vor ein paar Tagen zur großen Geburtstagsfeier zum 50. von Brigitte Wünsch. Vor versammelter Gästeschar stand die 25-Jährige auf und bedankte sich bei ihrer Pflegefamilie - für drei ruhige Jahre in ihrem sonst so ungeordneten Leben.

* Alle Namen der Pflegekinder geändert



Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/450143

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08.10.2008 06:47 Reica ist offline E-Mail an Reica senden Homepage von Reica Beiträge von Reica suchen Nehmen Sie Reica in Ihre Freundesliste auf AIM-Name von Reica: Reica1
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„Wir sind eine öffentliche Familie“
Die Pritzwalker Petra und Dietmar Friese nehmen seit gut zehn Jahren immer wieder Pflegekinder bei sich auf


PRITZWALK - Ein Pflegekind zu nehmen, darüber haben Petra und Dietmar Friese aus Pritzwalk zum ersten Mal 1995 nachgedacht. „Wir wollten schon immer mehr Kinder, aber ein Baby eigentlich nicht mehr“, erinnert sich Petra Friese. Und dass es genug größere Kinder gibt, die Eltern suchen, daran hatte sie keinen Zweifel.

Die Frieses fragten beim Landkreis an. Sie führten intensive Gespräche, füllten Formulare aus, besuchten Seminare, Schulungen, Rechtsanwälte. Auch mit anderen Pflegefamilien tauschten sie sich aus. Der Pflegekinderdienst (PKD) des Landkreises besuchte sie zu Hause, um sich alles anzusehen. Sogar Sohn Bernd wurde befragt, er war damals zwölf Jahre alt. Alles war vorbereitet und durchgeplant – jetzt hieß es warten.

Im April 1997 machte in Pritzwalk das Kinderheim zu, die Kinder wurden verteilt. „Wir haben dann Florian* bekommen, er war zehn Jahre alt“, erzählt die heute 48-jährige Pflegemutter. Nach einer Anbahnungszeit blieb er – ganz. Damals hatten die Frieses eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung. Sie zogen in eine etwas größere Wohnung um.

Florian war Halbwaise. „Der Vater war alkoholkrank“, sagt Dietmar Friese. Als er starb, unterstützte die Familie den Pflegesohn bei der Beerdigung. „Wir haben dann das Grab betreut, bis Florian 18 war.“ Florian wohnt in einer eigenen Wohnung, bekommt aber von seinen Pflegeeltern viel Unterstützung.

Denn Florian ist geistig ein wenig zurückgeblieben. „Er hatte mit zehn Jahren die Fähigkeiten eines Kindergartenkindes“, erklärt Dietmar Friese. Es folgten unzählige Arztbesuche und Gespräche mit Psychologen. „Das sagt Ihnen keiner vorher“, so der 52-jährige Pflegevater. Das erste Jahr sei so anstrengend gewesen, dass das Jugendamt befürchtet habe, die Frieses geben auf. „Ich hatte das Gefühl: ’Du liebst ihn nicht genug’“, erzählt Petra Friese. Obwohl Florian nicht ihr eigenes Kind war, standen die Frieses alles mit ihm durch. „Wir haben uns gut zusammen gerauft“, so die 48-Jährige. Florian sagt heute Mama und Papa zu den Frieses.

Im Jahr 2000 folgte erneut ein großer Umbruch. Petra Friese bekam in der Arbeit einen Anruf vom Jugendamt: „Sie sagten, sie hätten ein Baby, ein Mädchen. Ob wir es nehmen würden.“ Ein Mädchen hatten sie sich immer gewünscht. Nachmittags lag das drei Monate alte Baby auf ihrem Sofa. „Ich musste erst einmal alles einkaufen. Bei uns war es ja 16 Jahre her“, erzählt Petra Friese. Als die Jungs das neue Familienmitglied erblickten, waren sie erst einmal sauer – vor allem der 16-jährige Bernd.

Nach ein paar Telefonaten hatte die Familie innerhalb kurzer Zeit genug Sachen, um drei Babys zu versorgen: Bettchen, Kinderwagen, Kleidung und vieles mehr. „Die Solidarität bei den Leuten ist erstaunlich“, sagt Dietmar Friese. Die heute achtjährige Marie* macht ihren Pflegeeltern viel Freude. Dass sie ein Pflegekind ist, erfuhr sie in der 1. Klasse. Sie findet es nicht schlimm. Jetzt will das Jugendamt, dass Marie ihre richtigen Eltern kennen lernt.

Für Petra und Dietmar Friese ist das ein Riesenproblem: Marie ist für sie wie eine eigene Tochter. „Als Pflegeeltern hat man keine Rechte.“ Jede Entscheidung muss mit den leiblichen Eltern abgestimmt werden. Will die Familie im Ausland Urlaub machen, ist eine Erlaubnis nötig. Mit der Zeit habe sie gelernt, dass es besser ist, mit den Eltern zusammen zu arbeiten, sagt die 48-Jährige. Doch Emotionen lassen sich nicht hinwegfegen. Freiwillig würde sie Marie nicht wieder hergeben.

Mit Marie wurde die Familie zu einer richtigen Pflegefamilie. Die Frieses zogen in eine große Wohnung. Immer stehen für den Notfall Betten bereit. Mitunter klingelt das Telefon und 30 Minuten später wird ein Kind gebracht. Viele von ihnen sind nur für kurze Zeit da. Manche bleiben für immer, so wie Florian. „Wie lange man sie hat, weiß man nie“, so Petra Friese.

Durch das ständige Kommen und Gehen von Eltern, Vertretern des Jugendamtes oder Polizeibeamten gaben die Frieses ihre Privatsphäre auf: Fast täglich sind fremde Leute in der Wohnung. „Wir sind eine öffentliche Familie“, so die 48-Jährige. Trotzdem nimmt sie die Kinder gern, es ist ihre Lebensphilosophie, zu helfen: „Aber man muss dafür geboren sein.“

Einmal, für ein Wochenende, hatten sie acht Kinder zwischen neun Monaten und 13 Jahren. Dann wieder hatten sie monatelang außer Marie kein Kind in Pflege. Die große Wohnung musste trotzdem finanziert werden. Jahrelang gingen beide arbeiten. Erst seit kurzem arbeitet Petra Friese Zuhause.

Pflegeeltern werden darauf vorbereitet, dass die Kinder vorbelastet sein können. „Aber was Sie dann erleben, darauf kann Sie keiner vorbereiten“, sagt Dietmar Friese. Manche der kleinen Quartiergäste schleichen nachts an den Kühlschrank und verstecken im Bett Essen, damit sie am nächsten Tag noch etwas haben, „weil sie es nicht anders kennen“. Andere nässen ein oder sind gewalttätig. Da sei es gut, sich mit anderen Pflegeeltern auszutauschen.

Gefallen hat es den Zöglingen immer bei den Frieses – alle kommen gern zu Besuch. „Auch wenn sie nur ein Wochenende bei uns waren und es schön hatten – irgendwie erinnern sie sich daran und wissen, dass es auch noch etwas anderes gibt“, ist Petra Friese überzeugt. Bemerkenswert findet sie die Solidarität der Kinder untereinander, wenn ein neues hinzukommt. So manches weinte, wenn es zurück zu den eigenen Eltern musste – und damit in die alten Zustände. Das war nicht leicht für die Frieses.

Drei Kinder hat das Paar inzwischen ins Leben entlassen. Sie haben einen Ausbildungsplatz und eine eigene Wohnung. Es bleiben ihre Kinder, auch wenn mit der Volljährigkeit die Verantwortung für sie endet. Die Familienfeiern fallen bei den Frieses etwas größer aus. Zurzeit haben sie vier Kinder. „Wenn wir eingeladen werden, dann wissen alle: Wir kommen zu Sechst“, so die Pflegemutter.

Dietmar und Petra Friese spielen seit längerem mit dem Gedanken, einen Verein zu gründen. „Er soll dem Zweck dienen, den Pflegekindern den Start ins Leben zu erleichtern, mal eine Urlaubsfahrt zu finanzieren oder den Besuch der Musikschule“, erklärt der 52-Jährige, der beim CJD geistig und körperlich behinderte Menschen betreut.

* Die Namen der Pflegekinder wurden geändert. (Von Beate Vogel)

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/b...ehmen_seit.html


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11.10.2008 14:29 Irina ist offline Beiträge von Irina suchen Nehmen Sie Irina in Ihre Freundesliste auf AIM-Name von Irina: locotanz1
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Die verrückteste Familie Deutschlands

Wenn die Kinder flügge werden, muss man manchmal ganz schön aufpassen…



Wilma Schwering aber war machtlos gegen so viel geballte Nachwuchspower. Die Düsseldorferin ist gleich zweimal Oma geworden - und alles ist in der Familie geblieben: Ihre Tochter bekam ein Kind vom Pflegesohn, ihr Sohn schwängerte die Pflegetochter.

Beide Babys kamen auch noch am selben Tag zur Welt - wahrlich Deutschlands verrückteste Familie. Während andere Mütter bei solch abenteuerlichen Nachrichten wohl glatt in Ohnmacht fallen würden, hat Wilma Schwering (46) eine einfache Erklärung für die „Geschwisterliebe“ unter ihrem Dach: „Meine Kinder sind richtige Rudeltiere, denen die Familie über alles geht. Vielleicht haben sie sich ja deshalb auch ineinander verliebt und sich keine Partner von außerhalb gesucht.“

Doch sie gesteht auch: „Anfangs war ich total geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass sich eins meiner Kinder in eins meiner Pflegekinder verliebt. Geschweige denn alle vier.“

Der flotte Vierer kam vor drei Jahren zusammen. Sohn Daniel (heute 20) verliebte sich in Pflegetochter Jessica (heute 19). Die war befreundet mit Tochter Anika (18 ) und kam aus zerrütteten Familienverhältnissen. Wilma Schwering nahm auch das Mädchen gern als Pflegetochter auf. „Die beiden waren eh wie Schwestern. Außerdem hatte ich ja mit Pflegesohn Kabir (20) schon Erfahrung als Pflegemutter.“ Der fühlte sich in seiner neuen Familie ebenso wohl - und bandelte mit Anika an.

Total verrückt: Beide jungen Frauen wurden schwanger - und das fast zur gleichen Zeit.

Die „frohe Botschaft“ mussten sie der künftigen Oma Wilma schonend beibringen. Anika: „Ich habe gewartet, bis Jessica von ihrer Schwangerschaft erzählt hat. Erst, als ich das Gefühl hatte, dass Mama den Schock verdaut hat, habe ich ihr von meiner Schwangerschaft gebeichtet.“

Der Plan ging auf, Oma Wilma ist mittlerweile überglücklich: „Ich bin froh, dass die Kleinen gesund sind, und alles in der Familie bleibt.“ Seit zehn Tagen ist im Haus der Großmutter jetzt Windeln wechseln, Flasche geben und Schlaflieder singen angesagt. Seit Emely und ihr Cousin Leon mit ihren Müttern aus dem Krankenhaus entlassen wurden, packt die ganze Familie mit an. „Anika und ich haben ja eigentlich immer schon alles zusammen gemacht, dass wir jetzt am gleichen Tag unsere Kinder bekamen, ist wirklich verrückt“, lacht Jessica.

Bei ihr setzten Ende September die Wehen zuerst ein, kurz darauf folgte Anika ins Krankenhaus. Bei beiden Frauen musste aufgrund von Komplikationen ein Kaiserschnitt gemacht werden. Leon kam schließlich am 30. September um 3.25 Uhr auf die Welt, Emely folgte um 8.33 Uhr. Sie waren ja auch für den selben Termin ausgezählt.

Da wundert es fast schon, dass sich die beiden Wonneproppen doch unterscheiden. Leon war mit 3800 Gramm ein echter Brummer und 1000 Gramm schwerer als seine Cousine. Die wird ihn dafür in Sachen „Teint“ bald deutlich übertreffen. Schließlich ist ihr Papa afrikanischer Abstammung und da liegt der Verdacht nahe, dass die kleine Emely eine exotische Schönheit wird. Da müssen die Eltern in spätestens fünfzehn Jahren dann sicher wieder aufpassen…




Quelle: http://www.express.de/nachrichten/region...3463641710.html

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20.10.2008 15:37 Reica ist offline E-Mail an Reica senden Homepage von Reica Beiträge von Reica suchen Nehmen Sie Reica in Ihre Freundesliste auf AIM-Name von Reica: Reica1
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Sieben auf einen Streich Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen

Sieben auf einen Streich

es ist laut. Es ist fröhlich. Es ist lebendig. Und wenn alle gemeinsam essen, liegen neun Gedecke auf dem Tisch. Als Peter und Dietlind Grosch aus Schwerin vor einem Jahr gefragt wurden, ob sie sieben Geschwisterkinder aus dem Heim bei sich aufnehmen würden, haben sie nicht lange gezögert. Seither geben sie den fünf Jungs und zwei Mädchen in einer so genannten sozialpädagogischen Erziehungsstelle ein Zuhause. Eine Entscheidung, die sie nicht eine Sekunde lang bereut haben.


SCHWERIN - 27 Scheiben Brot, zwei volle Teller mit Wurst, eine Großpackung Frischkäse, zwei Schalen Butter, eine Schüssel randvoll mit Paprika und Gurken. Dazu neun Teller, neun Messer und neun Gabeln. Um 18 Uhr ist Essenszeit. Im Hause Grosch weiß das jedes Kind. Das sind Tim* (13), Lukas (12), Felix (10), Paul (8 ), Anna (6), Max (5) und Lena (4) - und alle haben beim Tischdecken mitgeholfen. Zwischen gesammelten Herbstblättern und gebastelten Scherenschnitten haben die Jungs am Kopfende ein Schild mit zwei Herzchen aufgeklebt. Darauf steht: "Regierungsbezirk Mama. Mein Wort ist hier Gesetz!" Vor Kopf, da sitzt Dietlind Grosch. Ursprünglich hatte sich Tim diesen Platz ausgesucht. Als ältester Bruder musste er schon früh Verantwortung für seine kleinen Geschwister übernehmen. Erst in den sozial schwierigen Verhältnissen bei den leiblichen Eltern, die auch mit der Zahl der Kinder überfordert waren, und dann im Heim. Doch diese Last haben ihm Dietlind und Peter Grosch nun von seinen jungen Schultern genommen. Jetzt sitzt er neben seinen Geschwistern. Und die reden, wild durcheinander, wollen alle auf einmal erzählen, was sie tagsüber erlebt haben. Wie immer. Dann steigt der Lautstärkepegel manchmal so hoch, dass sich ein Tiefflieger nur mühsam Gehör verschaffen könnte. "Dann hilft nur noch ein Urschrei", sagt die Zieh-Mama und lacht.

Leeres Haus, leere Seele

Bei den Groschs ging es schon mal ruhiger zu. Still war es, als die eigenen vier Kinder erwachsen geworden und ausgezogen waren. Leeres Haus, leere Seele. So fühlte sich Dietlind Grosch, der Familienmensch. Ihrem Mann Peter ging’s ähnlich. Beide Ende 40, was nun? Eine kleinere Wohnung? Fast hätten sie eine genommen. Aber es kam anders, ganz anders.

Peter Grosch, Geschäftsführer der evangelischen Suchtkrankenhilfe und seine Frau, damals dort als Therapeutin beschäftigt, waren für Silke Schönrock die idealen Ansprechpartner, als die Leiterin des Kinder- und Jugendhilfebereichs beim Träger Sozius nach Eltern für die sieben eng verbundenen Heimkinder suchte. Sozial engagiert bei der Schweriner Tafel, hilfsbereit, offen - und mit ihren pädagogischen Fachkompetenzen geeignet für eine sozialpädagogische Erziehungsstelle.

"Trotz steigenden Bedarfs gibt es bislang noch zu wenig dieser Stellen im Land", sagt Silke Schönrock. Als Schnittstelle zwischen Pflegefamilien und Heimerziehung richten sie sich vor allem an Kinder mit besonderem Förder- oder Zuwendungsbedarf, an junge Kinder und Geschwister, die zeitweise oder auf Dauer nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können. Das Prinzip: Mindestens eines der beiden Elternteile ist eine pädagogische Fachkraft, die beim Träger angestellt wird. So wie Dietlind Grosch. Die Kinder haben dadurch eine familiäre Bindung und profitieren gleichzeitig von professionellen Strukturen. Sozius stellt Wohnraum- und Lebenshaltungszuschüsse sowie eine fachliche Begleitung zur Verfügung. Eine willkommene Hilfe auch für Familie Grosch - schließlich hat sie Sieben auf einen Streich aufgenommen. Und die wohnen alle unter einem Dach, denn Sozius hat ein großes Haus angemietet.

In der alten "Villa Lottchen" gibt es tagsüber ein ständiges Kommen und Gehen. Tür auf, Tür zu, Lukas ist von der Schule zurück, Felix geht zum Judo und Paul hat gerade mit seinem Bruder im Garten Fußball gespielt. Jetzt steht er noch außer Atem in der "Schleuse". So nennen die Kinder den Raum zwischen Haustür und Wohnung. An der Wand hängen sieben Garderobenhaken mit Namen. Darunter stehen drei Schränke. "Hier sind meine Schuhe drin", sagt Paul und strahlt. Eigene Sachen zu haben - das kannte er früher nicht.

Zwischen Apfelmus und Wäschebergen

Die Schuhe von Anna stehen auch schon an Ort und Stelle. Die Erstklässlerin sitzt am Esstisch und übt Lesen, Schreiben und Rechnen. Dabei schaut ihr Erzieherin Katrin Detmann über die Schulter. Die Fachberaterin von Sozius wechselt sich nachmittags immer mit einer Kollegin ab, um die Familie zu unterstützen.

Das macht auch Heilpädagogin Angela Meier einmal pro Woche. Ein Stockwerk höher sitzt sie mit Nesthäkchen Lena im Kinderzimmer und ordnet mit ihr Bauklötze nach Größen und Farben - Frühförderung. Zeit für Dietlind Grosch, sich durch die Wäscheberge zu kämpfen und Apfelmus zu kochen. Die 51-Jährige könnte es sich einfacher machen und das Essen von Sozius liefern lassen. Aber sie kocht gern in Kohortenstärke, jeden Mittag und am Wochenende: "Das macht mir einfach Freude." Während sie mit einer Hand den Kochlöffel schwingt, hält sie in der anderen ein Bild, das Max gemalt hat. "Schön sieht das aus", lobt sie Max und streicht dem stolzen Vorschulkind über die Wange.

Wenn die Leute Dietlind Grosch fragen, warum sie sich das eigentlich alles antut, dann sagt sie, dass sie dankbar ist. Als überzeugte Christin habe sie eine Aufgabe gefunden, die sie glücklich macht. "Das ist das Schönste, ein Leben mit Kindern", ist auch ihr Mann Peter überzeugt.

"Das ist wie ein Sechser im Lotto"

Jeden Sonntag geht er mit den Jungs zum Fußballspielen, nimmt an Elternabenden teil - und lebt Familie. Über die Entscheidung, die Geschwister aufzunehmen, habe er nicht lange nachdenken müssen. In Absprache mit den eigenen Kindern war die Entscheidung schnell gefällt. Auch sein Alter sieht er eher als Vorteil. "Wir haben das alles schon mal durch, da wird man gelassener", sagt der 53-Jährige. Natürlich sei eine Großfamilie auch anstrengend, doch die Freude überwiege. "Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, ohne die Sieben zu sein", meint Grosch. Trotzdem hat er eine professionelle Einstellung zu den leiblichen Eltern. "Wir möchten keine Konkurrenz aufbauen", betont er. Einmal im Monat sehen die Kinder Mutter und Vater; Mama und Papa sagen die Jüngeren inzwischen allerdings zu Dietlind und Peter Grosch.

Ebenso wie die leiblichen Eltern sehen auch die Fachberaterinnen, dass die neue Familie den Kindern gut tut. "Sie haben sich im vergangenen Jahr toll entwickelt", berichtet Katrin Detmann. Auch die Kinder selbst haben ihr Urteil längst gefällt. "Das ist hier wie ein Sechser im Lotto", sagt Tim.

Endgültig zusammengeschweißt hat alle die Zeit nach den Sommerferien. Denn ein Urlaub ohne die Sieben steht den Groschs ebenso zu wie ein freier Tag in der Woche, damit sich Dietlind Grosch weiter um die Schweriner Tafel kümmern kann. Als die Kinder aus ihren Feriencamps zurückkamen, waren sie froh, dass sie von Peter und Dietlind Grosch in die Arme geschlossen wurden. Denn das ist jetzt ihre Familie.

* Namen auf Wunsch des Vormunds zum Schutz der Kinder geändert

Quelle: http://www.nnn.de/mecklenburg-u-vorpomme...-streich-2.html


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27.10.2008 18:03 Irina ist offline Beiträge von Irina suchen Nehmen Sie Irina in Ihre Freundesliste auf AIM-Name von Irina: locotanz1
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Schwule Adoptivväter Diesen Beitrag editieren/löschen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag einem Moderator melden   Zum Anfang der Seite springen


Schwule Adoptivväter:
„Geben Sie's ihnen - sonst haben die keine Chance“



27. Oktober 2008 Tom hat ein neues Lieblingsbuch, es heißt „Der Bauernhof“. Begeistert blättert der Zweijährige die Seiten um, zeigt auf die Bilder und kennt alle Tiere schon beim Namen. „Kuh, Schaf, Huhn - Nico!“, ruft er laut und ein „Wauwau!“ hinterher. Nico ist ein Hund, mit dem Tom kürzlich beim Urlaub auf dem Bauernhof erst etwas unsanfte Bekanntschaft machte, aber später Freundschaft schloss. „Seitdem ist eben jeder Hund Nico“, sagt sein Vater Florian. „Und das Bauernhof-Buch die Nummer eins“, ergänzt sein Vater Thomas. Die Urlaubsfotos zeigen die stolzen Eltern - und natürlich Tom, wie er mit dem Bauern Kühe füttert, im Hühnerstall Eier sammelt und auf dem Traktor mitfahren darf.

Noch vor drei Jahren hätten sich Florian Frisch (32) und Thomas Hösel (36) nicht träumen lassen, so schnell eine kleine Familie zu werden. Den Antrag auf Adoption hatten sie damals zwar längst gestellt. „Doch das würde im Normalfall fünf und bei uns mindestens sieben Jahre dauern, hat man uns im Jugendamt gesagt“, erzählt Florian. Die beiden ließen sich nicht beirren; eine Adoption war der einzige Weg zu Nachwuchs, der für sie in Frage kam. „Wir wollten nicht Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um irgendwie an ein Kind zu kommen.“ Die Suche nach Adoptivkindern im Ausland oder nach Leihmüttern schied für sie aus.

Am Ende warfen sie eine Münze

Der Adoptionsantrag jedoch verlangte von beiden große Offenheit über ihr Leben, ihre Beziehung und ihre Finanzen - alles in allem eine Menge Bürokratie und viele Hausbesuche vom Amt, für die sie aber Verständnis haben. „Es geht ja nicht darum, Eltern mit einem Kind zu versorgen, sondern einem Kind ein behütetes Zuhause zu geben“, sagt Thomas. Er ist Informatiker und von eher ruhiger und ausgleichender Natur. Florian arbeitet als Sprecher im Dresdner Max-Planck-Institut und hat ein selbstbewusstes, beinahe forsches Wesen. Er war es auch, der auf allen Formularen „Mutter“ und „Vater“ durchstrich und durch „Vater 1“ und „Vater 2“ ersetzte.

Eine Schwierigkeit allerdings war mit dieser Methode nicht zu meistern: Nur einer von beiden durfte den Antrag stellen und so der gesetzliche Vater werden. „Da habe ich mich zum ersten Mal überhaupt richtig diskriminiert gefühlt“, sagt Florian. Die Entscheidung wogte lange zwischen den künftigen Eltern hin und her. Mal lief es auf Florian zu, weil der sich bereits um ein Patenkind kümmert, dann wieder auf Thomas, weil er der Ältere ist. So ging das bis zum Jugendamt. Erst dort warfen sie eine Münze, Florian gewann und unterschrieb den Antrag.

Ein neunmonatiger Vorbereitungskursus

Danach richteten sich beide auf langes Warten ein, doch ihre Adoptionsvermittlerin begleitete den Kinderwunsch mit viel Sympathie. „Es war der erste Antrag eines homosexuellen Paares bei uns“, sagt Marga Körner, eine offenherzige, 56 Jahre alte Frau mit feschem Haarschnitt und grünem Kapuzenshirt. „Ich habe keinen Grund gesehen, die beiden anders als andere Paare zu behandeln.“ Sie schickte Thomas und Florian in den neunmonatigen Vorbereitungskursus - zusammen mit zehn verheirateten Vorzeigepaaren.

Entscheidend für eine Adoption aber sind die abgebenden Eltern. „Da haben beide auch Ablehnung erfahren“, sagt Frau Körner. So war der Kursus noch nicht einmal zu Ende, als für Florian und Thomas ein Baby in Aussicht stand. Zwar bestand die Gefahr, dass es nicht völlig gesund zur Welt kommen würde, doch die vermeintliche Komplikation stellte sich als unproblematisch heraus. „Überraschenderweise sind wir dann die Einzigen gewesen, die überhaupt noch an dieser Adoption interessiert waren“, sagt Florian. Dann aber gaben die leiblichen Eltern doch nicht ihr Okay.

Bei einem schwulen Paar sagen die meisten Eltern nein

„Bei einem schwulen Paar sagen die meisten Eltern nein“, erzählt Marga Körner. Und so ging das Warten weiter - bis zum 12. Februar 2006. Es war ein Montag, als bei Florian im Institut das Telefon klingelte. „Haben Sie heute Nachmittag Zeit? Dann haben wir etwas sehr Wichtiges zu besprechen“, sagte Frau Körner. „Ich habe Thomas angerufen und konnte mich danach nicht mehr aufs Arbeiten konzentrieren“, erzählt Florian. Im Jugendamt glaubten sie dann, ihren Ohren nicht zu trauen. Am Sonntag war ein Junge geboren worden, dessen Eltern ausdrücklich sie gewählt hatten. „Geben Sie's ihnen, sonst haben die ja nie eine Chance“, sagte die junge Mutter.

Noch am Abend fuhren sie gemeinsam ins Krankenhaus, sahen dort das Baby und verliebten sich auf Anhieb. „Es war so winzig und zerbrechlich“, erzählt Thomas. „Für mich war sofort klar, dass ich um dieses Kind kämpfen werde wie eine Löwin“, sagt Florian. Auch Marga Körner erinnert sich daran noch ganz gerührt. „Die Männer hatten feuchte Augen.“ Die Mutter hatte ihren Sohn Tom genannt, und den beiden plötzlichen Vätern gefiel der Name sofort, nicht zuletzt aus praktischen Gründen. „So hat der Kleine den Vornamen des einen und den Nachnamen seines anderen Papas.“

„Ich bin schwul, wie sollte das funktionieren?“

Den Neuvätern blieben nun drei Tage Zeit, um ihr Leben komplett umzustellen. Sie informierten ihre Chefs und die erfreuten Großeltern, kauften Kindersachen, Babynahrung und Windeln, räumten das Arbeitszimmer aus und richteten ein Kinderzimmer ein. Florian nahm Erziehungsurlaub, und auch Thomas bekam frei. Am Freitag schließlich holten sie ihren kleinen Tom aus dem Krankenhaus zu sich nach Hause.

Tom erwies sich als pflegeleicht, schlief viel und verlangte selten außer der Reihe Nahrung. „Er war ein schönes Flaschenkind“, sagt Thomas. Kaum zu glauben, dass er sich einst vom Gedanken an eigene Kinder verabschiedet hatte. „Ich bin schwul, wie sollte das funktionieren?“ war seine Haltung - bis er Florian traf. Für den stand das Vatersein nie in Frage: „Wieso sollte ich kein Kind großziehen dürfen?“ Florian ist ohnehin ein Typ, den Widerstand anspornt. „Ich war kampfbereit und wäre bis vors Bundesverfassungsgericht gezogen.“

„Ach, zwei Väter hatten wir ja noch nie“

Noch heute können beide kaum glauben, wie problemlos alles lief. Manchmal vermuteten sie schon einen „Schwulenbonus“, etwa als in der Kinderkrippe doch noch ein Platz für Tom frei war und man ihnen in ihrem Wunschkindergarten mit den Worten „Ach, zwei Väter hatten wir ja noch nie“ die Anmeldung abnahm. Dabei sind Florian und Thomas wahrscheinlich das erste schwule Paar überhaupt, dem eine Fremdadoption im Inland gelang. „Wir wissen nur noch von einem lesbischen Paar in Baden-Württemberg, das Zwillinge adoptiert hat“, sagt Elke Jansen vom Lesben- und Schwulenverband Deutschlands (LSVD).

Das liegt auch daran, dass in Deutschland nur wenige Kinder zur Adoption freigegeben werden; die Nachfrage ist viermal so groß wie das „Angebot“. Jansen kritisiert aber auch die nach wie vor großen Vorurteile gegenüber Homosexuellen sowie ein Adoptionsrecht, das nur einem Partner die Elternschaft erlaubt. „Stirbt dieser Partner, ist das Kind elternlos.“ Im Jugendamt brauche es für eine solche Adoptionsentscheidung deshalb viel Mut und vor allem Rückendeckung.

Tom weiß, dass es Mütter gibt

Um Tom nicht zu verlieren, falls Florian etwas zustößt, haben er und Thomas ein Jahr nach der Adoption geheiratet und zudem beim Notar eine Sorgerechtsvollmacht hinterlegt. „Auch sonst ist ziemlich viel möglich, allerdings muss man um alles kämpfen“, sagt Florian. So hat er beim Finanzamt den vollen statt den anfangs gewährten halben Kinderfreibetrag durchgesetzt, und die Krankenkasse von Thomas ließ sich darauf ein, auch ihn krankzuschreiben, wenn er wegen Tom mal zu Hause bleiben muss.

Von alledem weiß Tom natürlich nichts. Den ganzen Nachmittag war der Blondschopf mit seinen Eltern auf dem Spielplatz; jetzt sitzen sie gemeinsam beim Abendbrot in der großen Küche ihrer Vier-Zimmer-Wohnung im bürgerlichen Stadtteil Striesen. Tom tunkt beherzt ein Wiener Würstchen in das Ketchup, verlangt nach „Kuhkäse“ und hält dann seine Tasse hoch, um mit den Papas anzustoßen. Wobei er „Papi“ nur zu Florian sagt. „Das kam eines Tages ganz plötzlich“, erzählt Thomas, der anfangs enttäuscht deswegen war. „Aber jetzt bin ich für ihn der ,Große Tom', und das ist auch in Ordnung.“ Dass es Mütter gibt, weiß Tom spätestens, seit er in der Krippe ist; danach gefragt hat er jedoch noch nie.

„Das Kind kann ja nur schwul werden“

Florian und Thomas hätten gern Kontakt zu Toms leiblicher Mutter, doch sie lehnt das ab. Dafür besuchen die drei regelmäßig Toms Schwester Pia, die zehn Monate vor ihm eine Adoptivfamilie fand. „Rein rechtlich sind sie zwar keine Geschwister, aber wir finden gut, dass sie einander haben“, sagt Florian. Er und Thomas sind sich bewusst, dass ihre Partnerschaft für Tom später auch zum Problem werden kann, in der Pubertät oder bei Pöbeleien auf dem Schulhof. Noch fangen sie Boshaftigkeiten wie „Das Kind kann ja nur schwul werden“ oder „Der Junge braucht doch eine Mutter“ ab. Aber sie sind fest entschlossen, ihrem Sohn Halt zu geben, ihn zu wappnen und ihn stark zu machen.

Gleich nach dem Abendbrot spurtet Tom in sein Zimmer; statt der Superman-Hausschuhe trägt er heute lieber die mit den Elefanten. Und während Papa Thomas die Küche aufräumt, muss Papa Florian jetzt Bauernhof spielen. Tom hat einen kleinen Eimer Kastanien ausgekippt, den ihm eine Nachbarin geschenkt hat, lädt diese auf einen Traktor mit Anhänger und transportiert sie durch das Zimmer. Kurz vorm Schlafengehen ist dann noch mal die Theorie in „Der Bauernhof“ dran. Tom sitzt bei Florian auf dem Schoß, Thomas hat daneben Platz genommen, und zu dritt tauchen sie ein in die Welt von Hühnern, Kühen, Schafen. Und natürlich Nico.



Quelle: http://www.faz.net/s/Rub867BF88948594D80...n~Scontent.html

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Liebe Grüße
Silvia



Mit den Wölfen heulen gilt denen als Ausrede, die mit den Schafen blöken.
Hans Reimann

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